Blick auf den Rottachspeicher im Allgäu. Im Hintergrund der Grünten, der "Wächter des Allgäus"

Der Schock

von Margaretha Schedler | 23. Juni 2026 | 0 Kommentare

Dieser Text ist Teil einer Fortsetzungs-Geschichte, die ich intuitiv und über eine längeren Zeitraum in Etappen geschrieben habe. Ermutigt von mehreren klugen Frauen in meinem Umfeld veröffentliche ich die Geschichte jetzt als Artikelserie auf meinem Blog. Alle Teile sind in der Kategorie Maras Geschichte gesammelt, du kannst sie darüber finden. Starte am besten mit Teil 1: Erwachen.

Wenn aus Gedanken Bilder werden, aus Bilder Texte und aus Texten wieder Bilder, dann beginnt das Leben zu leben...


 

Angst um Luis

Mitten in der Nacht wachte Mara vom Martinshorn auf. Sie nahm Stimmen wahr, darunter auch Laras. Vom Fenster aus sah sie zwei Sanitäter und den Notarzt mit einer Trage ins Haus gehen.

Um Himmels Willen, was war geschehen?

In solchen Situationen wurde Mara immer innerlich erstaunlich ruhig, erstarrte jedoch äußerlich. So blieb sie einfach ohne jegliches Zeitgefühl im Dunkeln stehen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit trugen die Sanitäter Luis auf der Trage in den Sanitätswagen. Der Notarzt folgte ihnen, nachdem er sich von Lara verabschiedet hatte. Kurz darauf fuhr Lara dem Konvoi hinterher.

Was hatte das alles zu bedeuten?

Sie legte sich wieder ins Bett, konnte jedoch kein Auge zutun. Sie knipste das Licht an, das ihr etwas Sicherheit gab, bemerkte die offene Tür und Barrys Abwesenheit. Anscheinend war er auf die Klinke gesprungen, als er noch vor ihr das Martinshorn gehört hatte.

So lag sie gedankenversunken, bis sie den Motor von Laras Auto hörte. Dann sprang sie aus dem Bett, warf sich eine Decke über und rannte über den Hof.

Lara saß leichenblass in der Küche und rührte sich nicht. Behutsam ging Mara auf sie zu und suchte ihre Augen. Dann lagen sich die beiden Frauen in den Armen und Lara weinte bitterlich. Mara hielt sie fest ohne ein Wort, bis sie von selbst unter Schluchzen zu reden anfing.

"Luis hatte einen Zusammenbruch. Man weiß noch nicht genau, ob er einen Herzinfarkt hatte", stotterte es aus ihr heraus.

Mara streichelte ihr über Kopf und Rücken. So beruhigte sich Lara langsam. "Wie gut, dass du da bist", sagte sie wie in einem sich ständig wiederholenden Mantra.

"Ich mach uns mal einen Tee", meinte Mara schließlich und Lara zeigte auf den Küchenschrank. Mittlerweile war es fast fünf Uhr geworden und vom Stall kamen die ihr schon bekannten Geräusche.

"Ach ja, die Kühe!", rief Lara. "Die müssen gemolken werden!"

"Ich helfe dir selbstverständlich. Ein bisschen bin ich ja schon eingeführt. Mach einfach eine Ansage und wenn ich Fragen habe, frage ich."

So fing dieser Tag für beide Frauen ganz anders an als sonst. Die Stallarbeit dauerte natürlich länger, doch sie schafften es, gegen acht Uhr am Frühstückstisch zu sitzen. Dort erst erzählte Lara, was in der Nacht passiert war.

Luis hatte, entgegen seiner Natur, außergewöhnlich unruhig geschlafen, war dann irgendwann aufgestanden und nicht mehr zurückgekommen. Lara dachte zunächst, er sei in den Stall gegangen, um nach der trächtigen Susi zu schauen, hatte jedoch irgendwie ein komisches Gefühl und stand auf. Auf dem Gang, zwischen Toilette und Küche, fand sie Luis bewusstlos und nicht ansprechbar am Boden.

Sie erkannte aufgrund ihrer Hebammenausbildung sofort den Ernst der Lage, lagerte Luis in die stabile Seitenlage und rief die 112. Sein Puls war kaum spürbar und seine Atmung setzte immer wieder aus. So entschloss sie sich zur Herzdruckmassage und hielt diese durch, bis der Notarzt und die Sanitäter kamen.

Diese übernahmen, konnten Luis stabilisieren und brachten ihn dann ins Krankenhaus. Als man sie nach Hause schickte, waren noch nicht alle Untersuchungen abgeschlossen, Luis zwar schwach, jedoch wieder ansprechbar. Das war der Stand vor gut vier Stunden.

Mara war entsetzt und gleichzeitig erleichtert. Luis lebte! Sie konnte nur erahnen, was in Lara vorging. Dass diese wieder ins Krankenhaus wollte, war mehr als verständlich.

"Ich halte hier die Stellung", sagte Mara. "Wenn irgendetwas Außergewöhnliches sein sollte, schreibe ich dir eine Nachricht."

Mit diesem beruhigenden Satz fuhr Lara los. Kaum hatte sie den Hof verlassen, läutete das Telefon und der diensthabende Arzt der Intensivstation wollte Lara sprechen. Mara sagte ihm, Lara sei auf dem Weg in die Klinik.

Kurz darauf rief Tom an, um sie von den Ermittlungsergebnissen in Kenntnis zu setzten. Kurz zögerte Mara, ob sie von den Ereignissen auf dem Rosenhof erzählen sollte, entschied sich dann jedoch dafür. Tom war schließlich Luis´ Cousin. Am anderen Ende der Leitung wurde es still, und als Tom weitersprach, klang seine Stimme brüchig und steif. Er nahm Mara das Versprechen ab, man möge ihn bitte informieren, wenn neue Erkenntnisse vorlägen.

Auch Steffi meldete sich. Ihr die Tragödie zu verheimlichen war überhaupt nicht möglich, da sie sofort fragte, was los sei, als sich Mara anstelle von Lara am Telefon meldete. Steffi zögerte nicht einen Moment: "Ich bin sofort da. Es ist nicht gut, wenn du auf dem Hof alleine bist."

Keine halbe Stunde später fuhr das kleine, rote Auto um die Ecke. Mara war erleichtert.

Jetzt wollte Steffi alles genau wissen. Da es mittlerweile mittags geworden war, beschlossen sie, zuerst eine Suppe zu kochen, um sich zu stärken. Mara kannte sich in Laras Küche und Speisekammer ja schon aus und so zauberten sie in Gemeinschaftsarbeit eine Kartoffel-Gemüse-Suppe. Beim anschließenden Kaffee ließ Mara die Früh- und Vormittagsstunden noch einmal Revue passieren.

Beide konnten sich den Zusammenbruch von Luis nicht erklären, es gab dafür in ihren Augen absolut keine Anhaltspunkte. So warteten sie gespannt und weiterhin optimistisch auf ein Lebenszeichen von Lara.

Steffi erzählte Mara, sie sei auch auf einem Bauernhof aufgewachsen und dadurch im Groben mit den Abläufen im Stall vertraut. Sollte Lara zur Stallzeit nicht da sein können, würde sie selbstverständlich die anfallenden Arbeiten mit übernehmen. Mara fiel ein Stein vom Herzen. Sie hatte sich schon zwischen jammernden und schreienden Kühen im Dreieck hüpfen gesehen. Dazu die Laufenten, die immer etwas Zusatznahrung brauchten und ihre eigenen Tonarten zum Besten gaben.

"Keine Panik, das bekommen wir schon hin", meinte Steffi, die vorsichtshalber schon mal ihre Kontakte durchschaute, ob sie nicht noch ein männliches Wesen mit Stallkenntnissen organisieren könnte. Doch der Himmel übernahm die Koordination und am Nachmittag stand Tom in Stallmontur vor der Tür, um die beiden Frauen zu unterstützen.

Gleich nach dem Telefonat mit Mara hatte er seinem Vorgesetzen die Situation auf dem Rosenhof berichtet und um ein paar Tage Urlaub gebeten. Überstunden hatte er sowieso genug und so konnte er seinen Dienst an diesem Tag früher beenden. Seine Schwipp-Cousine konnte und wollte er in dieser Ausnahmesituation auf keinen Fall im Stich lassen.

Was für ein Segen. Die Frauen waren überwältigt und so begonnen sie als neues Stalltrio etwas früher als sonst die Arbeit bei den Kühen. Mara staunte nicht schlecht, als sie Steffi und Tom beobachtete. Beiden gingen die Handgriffe auf dem Melkstand so gut von der Hand, als hätten sie nie etwas anderes getan.

So konnte Mara selbst sich auf das Ausmisten, Einstreuen und die Fütterung konzentrieren. Gut, dass Lara sie am Morgen mit der Zugabe des Kraftfutters instruiert und sie sich die Mengen aufgeschrieben hatte. Alle drei waren so in die Arbeit vertieft, dass sie Laras Auto nicht kommen hörten und sie auch nicht bemerkten, als sie in der Stalltür stand.

Mara nahm sie als erste wahr, ließ den Rechen fallen, rannte auf sie zu und nahm sie ohne eine Frage in den Arm. Sofort lösten sich bei Lara alle Anspannungen der vergangenen Stunden und sie weinte bitterlich. Mara hielt sie einfach fest...

 


 

Dies war der elfte Teil meiner Fortsetzungs-Geschichte rund um Mara. Weiter geht es hier mit Teil 12

Du möchtest die weiteren Teile auf keinen Fall verpassen? Dann abonniere meinen Newsletter. Er ist dein kostenloses Abonnement für den Lebens-Schatzkisten-Blog. Mein Text hat etwas mit dir gemacht, etwas ausgelöst? Dann schreib gern einen Kommentar, so sind wir direkt im Gespräch.

Margaretha Schedler mit Buch

Ich bin Margaretha Schedler und schreibe seit 2019 hier im

Lebensschatzkisten-Blog.

über mein gelebtes Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Seit dem Tod unseres Sohnes im Jahr 2020 widme ich mich verstärkt dem Thema Tod und Trauer. Mein Maskottchen »„Guckamol“ ist dabei immer an meiner Seite.

Ich möchte Dich inspirieren damit du die Schätze deines Lebens erkennen und ein zufriedenes und glückliches Leben führen kannst. Auf meiner »Startseite und »„Über Mich“- Seite kannst Du mich näher kennenlernen.

0 Kommentare

Kommentar Schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Hinweis zum Abonnieren der Kommentare:
Um dir das Abonnieren von Kommentaren und damit auch das Empfangen einer Antwort durch mich zu erleichtern, muss ich deine E-Mail-Adresse speichern. Hinterlegt ist diese Adresse innerhalb der Website bei meinem Hoster und wird nicht an Dritte weitergegeben. Du hast jederzeit die Möglichkeit dich wieder von abonnierten Kommentaren abzumelden. Einen Link dazu erhälst du in jeder Mail, über die du zu neunen Kommentaren informiert wirst. Weitere Informationen findest du in meiner Datenschutzerklärung.

Ich bin Margaretha Schedler und ich schreibe für Dich meinen

Lebensschatzkisten-Blog.

Newsletter





    Die Angabe deines Vornamens ist freiwillig. Damit kann ich dich persönlich in meinem Newsletter ansprechen. Für den Versand des Newsletters nutze ich den Anbieter CleverReach. Über die Datenverarbeitung bei CleverReach kannst du dich in meiner »Datenschutzerklärung informieren. Aus der Newsletter-Liste kannst Du Dich jederzeit austragen; denn in jeder E-Mail von mir befindet sich ein Link, mit dem du dich abmelden kannst.

    Diese Beiträge könnten Dich auch interessieren:

    Abonniere meinen Blog. Ich freue mich auf dich.