Blick auf den Rottachspeicher im Allgäu. Im Hintergrund der Grünten, der "Wächter des Allgäus"

Erwachen

17. Februar 2026 | 4 Kommentare

Dieser Text ist der Auftakt zu einer Fortsetzungs-Geschichte, die ich intuitiv und über eine längeren Zeitraum in Etappen geschrieben habe. Ermutigt von mehreren klugen Frauen in meinem Umfeld veröffentliche ich die Geschichte jetzt als Artikelserie auf meinem Blog. Alle Teile sind in der Kategorie Maras Geschichte gesammelt, du kannst sie darüber finden.

Wenn aus Gedanken Bilder werden, aus Bilder Texte und aus Texten wieder Bilder, dann beginnt das Leben zu leben…


 

Prolog

Es ist ruhig. Die junge Frau sitzt angelehnt an der verwitterten, rauen Rinde ihres Lieblingsbaums und schaut in die Weite. Sie sucht nichts. Ihre Augen verlieren sich im Horizont, der sich wie ein unendlicher Ozean ausbreitet. Sie ist allein und vertieft im gedankenlosen Zustand, der sie schweben lässt. Schweben in himmlische Höhen ohne Barrieren, im Gefühl grenzenloser Freiheit.

Es ist diese über alles geliebte Freiheit, die sie an diesen Platz ihrer Kindheit zurück geführt hat. Zurück zu ihrer Tanne, in deren Äste sie geklettert war, die ihre beste Freundin war, in den Sommermonaten vor gefühlt einer Ewigkeit.

Viel war geschehen seit damals und sie hat das Gefühl, nur hier, in der Abgeschiedenheit, am Waldrand, die uralten Bäume schutzgebend im Rücken, kann sie Frieden und wieder zu sich selbst finden. Einen neuen Anfang wagen.

Die Tanne schenkt ihr Geborgenheit. Zwischen zwei kräftigen, aus der Erde hervortretenden Wurzeln hatte sich wie von Geisterhand eine Sitzgelegenheit, fast ein kleiner Thron geformt, gerade so groß, dass sie bequem sitzen kann. Was für ein Geschenk!

Sie weiß nicht, wie lange sie schon fast regungslos, verbunden mit der Kraft des mächtigen Baumes, dagesessen hatte, als sie eine von ihrem Bauchraum aufsteigende und ihr bekannte Unruhe erfasst.

In Bruchteilen von Sekunden checkt sie die Umgebung. In größerer Entfernung nimmt sie eine Gestalt wahr, die zielstrebig den Weg in ihre Richtung nimmt und zwischen zwei Atemzügen registriert ihr Gehirn den Windhauch einer ihr bekannten Duftkomposition aus Schweiß, Pomade und Old Spice.

Wie kann das möglich sein? War sie wach oder träumte sie? Sah sie einen Geist?

Ihr immer schneller werdender Puls, verbunden mit einer erhöhten Atemfrequenz, verrät ihr jedoch ihre geistige Präsenz. Sie spürt, wie ihr Körper mit Adrenalin ungeahnten Ausmaßes geflutet wird. Dann schreit sie und verliert das Bewusstsein. Ihr System zieht die Reißleine.

…………………………………………………………………………………

Frau Lara

Ein sanftes, feuchtes Stupsen auf ihrem Handrücken ließ die junge Frau spüren, dass sie noch im Diesseits war. Ihre Augenlider waren jedoch so schwer und ihr Atem fühlte sich schwach und flach an. Er war nicht imstande, die gefühlte Rüstung zu sprengen um ihr einige tiefe Atemzüge zu gönnen. So zog sie es vor, noch ein bisschen im Dämmerzustand zu bleiben.

Ihre neu aufkommende Konzentration nahm jedoch leise, angenehme Stimmen in der Nähe wahr, ohne dass sie die Worte verstand, was in ihrem Zustand zu anstrengend gewesen wäre. Irgendwie machten sich jedoch langsam aber stetig menschliche Bedürfnisse bemerkbar. Also nahm sie all ihren Mut zusammen, öffnete die Augen und ein leises „Hallo?“ kam aus ihrem trocken verklebten Mund. Wo war sie um Gottes Willen?

Sie setzte sich mit großer Kraftanstrengung behutsam auf und dann sah sie ihn. Den riesengroßen, dunkelbraunen Berner Sennenhund. Seine tiefbraunen Augen trafen die ihren mitten in die Seele und ein nie dagewesenes warmes und gleichzeitig energetisierendes Gefühl durchfloss sie.

„Wer bist du denn?“, hörte sie sich fragen und ein zartes Lächeln zeigte dem wunderschönen Tier ihre Zuneigung. Diese Worte wurden im Nebenraum gehört und das Knarren der alten Türklinke, das sie von zuhause her kannte, verriet ihr, dass sich irgendjemand näherte. Doch wo war sie überhaupt, was war geschehen? Sie erinnerte sich an nichts.

Mit einem freundlichen „Hallo“ betrat eine stattliche Dame den düsteren, niedrigen Raum und stellte sich als Hüterin des Hauses und Frau Lara vor. Ihrer Kleidung nach war sie Bäuerin, was am typisch um den Kopf gebundenen Tuch unschwer zu erkennen war. Frau Lara trat vorsichtig, doch bestimmt auf die junge Frau zu und streckte ihr ihre Hand entgegen. Eine Hand, gezeichnet von schwerer körperlicher Arbeit, dennoch weich und warm.

„Ich bin Mara“, sagte die junge Frau. Auch Frau Lara hatte dunkle, braune Augen, die sich nur in ihrem Ausdruck und ihrer Größe von denen des Hundes unterschieden, der jetzt in der Ecke des Raumes döste. Er hatte seine Aufgabe als Aufpasser erledigt und konnte sich wieder ganz auf sich konzentrieren. Auch die Augen der Frau verrieten Mara, dass sie keine Angst haben musste und das berührte sie sehr. Wie konnte das sein? Sie kannte diese Frau doch gar nicht.

„Dürfte ich bitte mal Ihre Toilette benutzen?“, hörte sich Mara sagen und Frau Lara begleitete sie zum Badezimmer. Noch etwas wackelig war Mara froh um den Arm, der sie geleitete. Zurück in der Stube fragte Frau Lara, ob Mara etwas zu trinken oder essen wolle. Sie habe sehr lange geschlafen und habe sicher Hunger. Erst jetzt bemerkte Mara, dass sie einen sehr trockenen Mund hatte und nahm das Angebot dankend an.

Anscheinend hatte Frau Lara schon etwas vorbereitet, denn es dauerte nur wenige Atemzüge und sie kam mit einem Tablett voller Leckereien zurück. Süße Stücke, dunkles Bauernbrot, Schinken, Käse, Tomaten, Schnittlauch und verschiedene Marmeladen. Was für ein Anblick, wer konnte da widerstehen? Zum Trinken kredenzte Frau Lara Kaffee, Milch, Tee, Orangensaft und Mineralwasser.

„Ich wusste nicht, was Sie gerne mögen, deshalb habe ich eine Auswahl zusammengestellt“, sagte sie. „Greifen Sie zu, Sie müssen doch Appetit haben?“

Mara entschied sich für Kaffee, eine Scheibe Brot mit Aprikosenmarmelade und dankte mit einem von Herzen kommenden: „Vergelt´s Gott.“ Frau Lara leistete ihr schweigend Gesellschaft und lächelte Mara freundlich zu.

Plötzlich öffnete sich die Tür und ein großer, bärtiger Mann erschien im Türrahmen. „Oh, hallo, sind Sie jetzt aufgewacht, herzlich willkommen auf dem Rosenhof! Ich bin der Luis, Laras Mann und Herr des Hauses.“ Dabei zwinkerte er mit dem linken Auge als Zeichen, dass dies nicht ernst zu nehmen sei. Diese Geste kannte Mara von ihrem Großvater und freute sich darüber.

„Ich bin Mara“, erwiderte die junge Frau und erkannte im selben Augenblick, dass sich ihr und der Vorname der Bäuerin nur durch den Anfangsbuchstaben unterschieden. Was für eine Fügung! Oder Zufall. Oder gar Bestimmung? In ihrem Kopf begannen die Fragen «Fangerles» zu spielen. Sie musste sich besser konzentrieren.

Nach einigen tiefen Atemzügen nahm Mara all ihren Mut zusammen und fragte, was geschehen sei, sie könne sich an nichts erinnern…

 


 

Dies war der erste Teil meiner Fortsetzungs-Geschichte rund um Mara. Weiter geht es hier mit Teil 2

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Margaretha Schedler mit Buch

Ich bin Margaretha Schedler und schreibe seit 2019 hier im

Lebensschatzkisten-Blog.

über mein gelebtes Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Seit dem Tod unseres Sohnes im Jahr 2020 widme ich mich verstärkt dem Thema Tod und Trauer. Mein Maskottchen »„Guckamol“ ist dabei immer an meiner Seite.

Ich möchte Dich inspirieren damit du die Schätze deines Lebens erkennen und ein zufriedenes und glückliches Leben führen kannst. Auf meiner »Startseite und »„Über Mich“– Seite kannst Du mich näher kennenlernen.

4 Kommentare

  1. Liebe Margaretha,
    manchen Menschen ist es gegeben, Geschichten zu schreiben. Du gehörst dazu. Du beginnst stark und gefühlvoll und nimmst mich mit in die Geschichte. Da sind so viele Fragen, das macht es fesselnd.
    Lara wirkt bodenständig und stark und über Mara liegt etwas Zartes und Geheimnisvolles. Ich bin gespannt, wie sich diese Geschichte entfaltet. Ja, du hast mich neugierig gemacht.

    Antworten
    • Liebe Petra,
      Du machst mich sehr glücklich, denn gerade von Dir als Buchautorin für tiefgründige Romane ein solches Lob zu bekommen ist großartig. Vielen herzlichen Dank dafür. Ich fühle mich sehr geehrt.

  2. Wie schön, dass du diese Geschichte nun veröffentlichst. Ich bin noch ganz hieingezogen in die Stimmung der Erzählung und ich mag Mara. Ich freue mich auf die Fortsetzungen.

    Antworten
    • Liebe Jennifer, ja es hat ein wenig gedauert, bis ich den Mut fand Maras Geschichte hier zu veröffentlichen. Wer mich sehr gut kennt, kann viel zwischen den Zeilen lesen, doch das darf sein. Das Leben schreibt eben die besten Geschichten und wir alle dürfen Vorbilder sein.

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