Dieser Text ist Teil einer Fortsetzungs-Geschichte, die ich intuitiv und über eine längeren Zeitraum in Etappen geschrieben habe. Ermutigt von mehreren klugen Frauen in meinem Umfeld veröffentliche ich die Geschichte jetzt als Artikelserie auf meinem Blog. Alle Teile sind in der Kategorie Maras Geschichte gesammelt, du kannst sie darüber finden. Starte am besten mit Teil 1: Erwachen.
Wenn aus Gedanken Bilder werden, aus Bilder Texte und aus Texten wieder Bilder, dann beginnt das Leben zu leben...
Interessen und Talente
Luis verabschiedete sich und ging in Richtung Werkstatt. Er musste sich um die Kardanwelle des Traktors kümmern, die seit einigen Tagen komische Geräusche von sich gab.
Lara hatte zwar schon gegessen, leistete Mara jedoch Gesellschaft. "Allein isst es sich nicht so nett", meinte sie und weihte Mara in das Vormittagsprogramm ein: "Ich muss zum Einkaufen in den Ort hinunter. Möchtest du mitkommen?"
Kurz durchzuckte es Mara, doch dann sagte sie zu. Was konnte ihr in Laras Begleitung schon passieren? Vielleicht erinnerte sie sich auch an irgendetwas? Ihr war immer noch nicht klar, wie sie in die Nähe des Rosenhofs gekommen war. Was wollte sie in dieser Gegend? Hatte sie sich einige Tage frei genommen? Hatte es zu Hause Stress gegeben? Fragen über Fragen.
Das kleine, rote E-Auto schnurrte leise den Berg hinunter und wieder staunte Mara über den modernen Standard der beiden Bauersleute. Warum eigentlich? In ihrem Elternhaus wurde der Bauernstand immer abfällig behandelt. Ärmliche Leute, hieß es immer. Diese Sichtweise hatte sich in Maras Bewusstsein so verfestigt, dass sie nie auf den Gedanken gekommen war, diese Einstellung zu hinterfragen. Fragen waren ja sowieso nicht erwünscht, egal welche, und einen Anstoß in Richtung Land und Landwirtschaft gab es schlichtweg nicht. Wie gut, dass sie gerade eines Besseren belehrt wurde und so ihre Einstellung revidieren konnte.
Je näher sie der Ortschaft kamen, desto klarer wurde es in Maras Kopf und plötzlich brach es aus ihr heraus: „Hier war ich schon einmal! Die Kirche ist mir nicht fremd und das große Haus auf der anderen Straßenseite kenne ich auch. Ich kann mich an die Malerei auf der Fassade erinnern..."
Lara fuhr ganz bewusst langsam an den Gebäuden vorbei und bog dann nach rechts auf die Hauptstraße ein. Nach ein paar Metern hielt sie auf dem Parkplatz vor einem Supermarkt. Sie schaute Mara forschend an und fragte: "Möchtest du mitkommen oder lieber im Auto warten?"
Mara entschied sich, im Auto sitzen zu bleiben. Sie musste sich erst sortieren, vielleicht fiel ihr noch etwas ein? Nach kurzer Zeit stieg sie aber doch aus dem Auto aus, um sich ein wenig umzusehen. Vielleicht kam ihr noch eine andere Örtlichkeit bekannt vor? Sie ging ein paar Schritte in Richtung Straße und ließ ihre Blicke umherwandern. Doch alles war ihr fremd. Wie konnte es sein, dass sie nur die Kirche und das große Haus kannte? Sie musste Lara nach dem Gebäude fragen. Vielleicht hatte es damit ja eine besondere Bewandtnis.
Langsam ging sie zum Auto zurück. In diesem Moment verließ Lara mit einem vollen Einkaufswagen das Geschäft und Mara half ihr beim Einladen. Als sie die vielen Lebensmittel betrachtete, wurde ihr bewusst, dass Lara und Luis sie kostenlos verköstigten. Und nicht nur das: Sie wohnte ja auch bei den beiden, ohne etwas zu bezahlen. Ohne Gegenleistung. Das musste sie schleunigst ändern. Sie hatte zwar immer noch kein Geld, denn ihr Rucksack war ja verschwunden, doch sie konnte arbeiten, keine Frage.
Auf der Rückfahrt erledigte sich diese Angelegenheit jedoch von alleine, da Lara fragte, ob sie ihr im Haushalt zur Hand gehen könnte. Sie hatte Waschtag und die ersten Maschinen waren schon fertig. Hinter dem Haus waren Leinen gespannt und da es heute laut Wetterbericht ein sonniger Tag werden würde, sollte die Wäsche bis abends trocken sein. Lara meinte, sie könne sich in der Zwischenzeit um die Ausarbeitung des neuen Seminares kümmern. Mehr sagte sie nicht dazu.
Mara war erleichtert, eine Beschäftigung zu haben und machte sich gleich nach der Versorgung der Lebensmittel an die Arbeit. Wie lange hatte sie schon keine Wäsche mehr aufgehängt? Sie konnte sich daran nicht erinnern. In ihrer Familie hatten sie schon seit vielen Jahren einen Wäschetrockner. Es war aber auch ein Unterschied: Die Luft hier auf dem Rosenhof war mit der in der Stadt nicht zu vergleichen!
"Du bist ja schnell", sagte Lara, als Mara vorsichtig die Tür zur Stube aufmachte. "Magst du mal schauen, was ich ausgearbeitet habe? Es ist erst ein grobes Raster, doch ich denke, es könnte passen."
"Was ist denn das Thema?", wollte Mara wissen.
"Es soll darum gehen, welche Einflüsse die Jahreszeiten auf unsere Befindlichkeit haben und wie wir diese bestmöglich nutzen können. Das ist natürlich ein großes Thema. Zum jetzigen Übergang vom Sommer in den Herbst möchte ich diese Zeit besonders thematisieren."
Maras Interesse war sofort geweckt. Diese Frau war beeindruckend und ihr Ansatz kam zwar ganz ohne Modeworte aus, aber in der Werbung würde man das wohl ganzheitlich nennen. "Oh, das klingt ja spannend! Hast Du dabei auch die momentan sehr herausfordernden Planetenkonstellationen im Konzept?"
Lara schaute sie etwas entgeistert an und meinte dann, diese Ebene hätte sie bei ihren Seminaren noch nie in Betracht gezogen. Sie schien aber nun ihrerseits neugierig geworden zu sein: "Kennst du dich denn mit der Astrologie aus?"
Jetzt begannen Maras Augen zu leuchten. Sie erzählte von ihrer großen Liebe zu den Sternen, die sie seit dem zwanzigsten Lebensjahr begleitete. Ihr Wissen hatte sie sich im Eigenstudium durch Fachbücher angeeignet und für den einen oder anderen im Familienkreis habe sie schon ein Radix ausgearbeitet. Die Astrologie wie auch die Numerologie seien ihre Lieblingshobbies: "Besonders interessant sind die jeweiligen Aspekte global wie auch individuell", erklärte Mara mit einem Funkeln in den Augen.
Lara war sprachlos und musste ihre aufkeimenden Gedanken sortieren. Dann fragte sie: "Was hältst du davon, wenn du mich in meinem Seminar unterstützt und diesen Part übernimmst? Traust du dir das zu?"
Mara spürte, wie sie gleichzeitig euphorisch und unsicher wurde. Sie musste tief durchatmen. Dieses Vertrauen und das Interesse an ihr und ihren Fähigkeiten fühlten sich so gut an! Und im gleichen Moment sorgte sie sich: Konnte sie das? Was war, wenn sie Lara enttäuschte? Aber ausschließen wollte sie diese Chance auch nicht. Mit einem dankbaren Lächeln erklärte sie: "Lass mir bitte etwas Zeit, um darüber nachzudenken. Im Moment bin ich etwas überfordert mit dem Gedanken."
Die beiden legten das Thema Seminar ad acta und widmeten sich der Vorbereitung des Mittagessens. Lara hatte frisches Fasskraut gekauft, das noch gekocht werden musste. Dazu gab es Salzkartoffeln und Kassler. Diese Kombination hatte Mara eine halbe Ewigkeit nicht mehr gegessen und ihr Magen freute sich schon darauf.
Nach dem Essen zog sich Mara ins Appartement zurück und hielt ihre obligatorische Augenpflege. Barry folgte ihr und kaum hatte er sich gelegt, schnarchte er leise vor sich hin.
Mara nahm sich vor, Lara unbedingt nach dem großen Haus gegenüber der Kirche zu fragen. Der Gedanke, dass ihr dieses bekannt vorkam, ließ ihr keine Ruhe...
Dies war der fünfte Teil meiner Fortsetzungs-Geschichte rund um Mara. Weitere Teile werden nach und nach veröffentlicht.
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Liebe Margaretha,
ich finde es schön, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Besonders die Szene im Dorf, als Mara Kirche und das große Haus plötzlich bekannt vorkommen, weckt eine gewisse Spannung. Gleichzeitig mag ich sehr, wie warmherzig du die kleinen Alltagsszenen auf dem Hof beschreibst, das Mithelfen, Wäsche auf die Leine, kein Trockner … ein langsames Ankommen. Man spürt, dass Mara nicht mehr nur versorgt werden möchte, sondern selbst etwas zurückgeben will. Das angekündigte Seminar um die Einflüsse der Jahreszeiten auf unsere Befindlichkeiten macht neugierig.
Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
Jetzt steht Ostern vor der Tür und für die kommenden Ostertage wünsche ich dir von Herzen, eine schöne, ruhige Zeit und weiterhin ganz viel Freude am Schreiben.
Herzlichst, Petra
Liebe Petra, von Dir als erfolgreiche Autorin einen Kommentar zu bekommen, ist eine große Freude und Auszeichnung. Ganz herzlichen Dank dafür.
Liebe Margaretha,
„Ach, schon wieder zu Ende“ dachte ich gerade – und so ein bisschen zogen sich die Mundwinkel nach unten. Es ist halt spannend wie bei einer Fernsehserie und man will wissen wie es weitergeht.
Ob Mara sich trauen wird, ihr Wissen über Planeten und Numerologie in den Vortrag einzubringen?
Ich denke, …. nein – das verrate ich jetzt nicht.
Sind ja nur knapp zwei Wochen bis es weitergeht.
Danke für die schöne Geschichte 💚
Liebe Lydia,
es freut mich sehr, dass ich Dich mit Maras Geschichte gut unterhalten kann und ich verspreche Dir, es bleibt spannend.