Blick auf den Rottachspeicher im Allgäu. Im Hintergrund der Grünten, der "Wächter des Allgäus"

Frau Lara

17. März 2026 | 0 Kommentare

Dieser Text ist Teil einer Fortsetzungs-Geschichte, die ich intuitiv und über eine längeren Zeitraum in Etappen geschrieben habe. Ermutigt von mehreren klugen Frauen in meinem Umfeld veröffentliche ich die Geschichte jetzt als Artikelserie auf meinem Blog. Alle Teile sind in der Kategorie Maras Geschichte gesammelt, du kannst sie darüber finden. Starte am besten mit Teil 1: Erwachen.

Wenn aus Gedanken Bilder werden, aus Bilder Texte und aus Texten wieder Bilder, dann beginnt das Leben zu leben...


 

Eine Bäuerin... und noch so viel mehr!

"Möchtest du darüber reden oder nicht?", fragte Lara nach, da sie die große Pause wahrnahm, die Mara nach diesem Satz gemacht hatte. Lara wollte ganz behutsam vorgehen, denn wenn es um schlimme Dinge ging, dann brauchte es Mut und Vertrauen, um sich jemandem zu öffnen.

Wie erwartet, zögerte Mara und sagte: "Na ja, wir kennen uns ja wirklich erst ein paar Stunden und vielleicht macht es Sinn, wenn du mir auch ein bisschen etwas über dich und den Hof erzählst. Wie verschlägt es eine so attraktive und wunderschöne Frau, wie dich in diese Einöde?"

Frau Lara nahm den Impuls auf und erzählte Mara von ihrem Leben: "Ich bin auch Allgäuerin; aus Betzigau. Als freie Hebamme kam ich vor über 30 Jahren auf den Rosenhof zu einer Hausgeburt. Damals lebten die Schwester von Luis und deren Mann im Austragshaus und Moni erwartete ihr erstes Kind. Ich unterstützte sie bei der Geburt und war im Wochenbett immer für sie da. Das kleine Mädchen war sehr neugierig und wollte unbedingt vor dem errechneten Geburtstermin in die Welt. So erstreckten sich meine Besuche über einige Wochen und ich lernte in dieser Zeit alle Familienmitglieder kennen und schätzen."

Lara lächelte, als sie weitererzählte: "Der junge Onkel gefiel mir sofort sehr. So hatte die Liebe ein leichtes Spiel. Als er mich dann zum Maitanz einlud, war es um mich geschehen - um uns beide. Wir turtelten dann zwar noch einige Monate, doch eigentlich war alles klar. Ich entschied mich für ein Leben auf dem Rosenhof, ging auf die Landwirtschaftsschule und machte meinen Meister. Dies war nur möglich, da meine Schwiegereltern zusammen mit Luis die Landwirtschaft betrieben. Unsere beiden Kinder kamen schnell hintereinander, und heute helfe ich jungen Kälbchen statt Kindern auf die Welt."

"Wow!" Mehr brachte Mara erstmal nicht über die Lippen. Sie erkannte jedoch sofort eine Gemeinsamkeit: "Jede von uns hat also ihren Erstberuf aufgegeben", meinte sie und fühlte sich in diesem Moment nicht mehr so exotisch. Bisher hatte sie nur Kontakt zu Frauen, die entweder als Hausfrauen oder in ihren erlernten Berufen arbeiteten. Beide Frauen schwiegen eine Zeitlang und jede hing ihren eigenen Gedanken nach. Die Sonne ging langsam unter, umhüllt von silbernen Wolkenschleiern, und es wurde merklich kühler.

Lara kam als erste aus ihrer Traumwelt zurück und fragte, ob sie nicht lieber in die Stube hineingehen sollten. Aufsteigende Kälte in den Beinen seien immer Vorboten einer möglichen Gesundheitsstörung und dem müsse man ja keinen Vorschub leisten. Mara lächelte und folgte gern ins Haus hinein.

Die gute Stube des Rosenhofes war sehr gemütlich eingerichtet. Das große Sofa kannte Mara schon, doch ganz hatte sie das Zimmer gestern nicht erfassen können. Die Situation hatte sie wohl doch etwas überfordert. Sie setzten sich an den großen, viereckigen Holztisch im Herrgottswinkel, auf dem eine Mitteldecke lag und ein Strauß mit verschiedenen Astern stand. "Sind die Blumen aus deinem Garten?", fragte Mara.

"Genau, auf der Ostseite des Hofes habe ich den Garten meiner Schwiegermutter in eine Blumenoase mit vielen Kräutern verwandelt. Nur ganz wenig Gemüse baue ich noch an. Für Luis und mich lohnt sich ein Gemüsegarten nicht wirklich. Die Kräuter brauche ich jedoch für meine Seminare."

"Seminare?" Maras Augen wurden größer. "Du gibst Seminare? Welcher Art denn? Kräuterseminare?" Sie konnte gar nicht mehr aufhören zu fragen.

"Nicht ausschließlich Kräuterseminare, doch meine Kräuter spielen dabei immer eine nicht unerhebliche Rolle."

Mara reichte das nicht und sie fragte weiter: "Nicht ausschließlich? Bitte erzähle mir doch darüber! Ich habe auch schon Seminare, na eigentlich Schulungen, gegeben und lasse mich gerne inspirieren. Ganz besonders dann, wenn es in deinen Seminaren wohl um Gesundheitsthemen geht, oder?"

Frau Lara nickte. Sie freute sich, dass ein so großes Interesse an ihrem Leben und Wirken zu geben schien.

"Ja, Gesundheitsthemen im großen Rahmen. Ich habe nicht nur eine Ausbildung zur Hebamme und Landwirtschaftsmeisterin, sondern auch in Heilarbeit. Heilarbeit im Sinne von Wissensvermittlung und Handauflegen. Ich habe dies in der Schweiz von einer russisch-deutschen Hellseherin gelernt. Den Umgang mit den Kräutern habe ich im Selbststudium weiterentwickelt und kann so bei Bedarf den Seminarteilnehmerinnen durch Tinkturen und Tees oft gut weiterhelfen."

"Das ist großartig!", meinte Mara und wollte immer noch mehr wissen. Die Fragen sprudelten nur so aus ihr heraus: "Wo hältst du denn deine Seminare ab? Und wie viele Leute können daran teilnehmen? Ich habe noch nie davon gehört! Machst du denn keine Werbung?"

"Das sind aber viele Fragen auf einmal", meine Lara, "und nein, ich mache keine Werbung. Ich habe vor einigen Jahren mit zwei bis drei Frauen hier in der Stube angefangen. Die waren dann so begeistert, dass sich immer mehr Frauen meldeten und bald kein Platz mehr hier drinnen war. So haben Luis und ich uns überlegt die Tenne zu erhöhen, einen Außenaufgang samt Aufzug anzubringen und so entstanden die Rosenhof-Seminare. Ganz von alleine, ganz in meinem Sinn. Es können maximal zwölf Personen teilnehmen, meist sind es jedoch nur sieben bis neun. Das ist eine gute Zahl und ich kann auf jede Person gut eingehen. Wenn du magst, zeige ich dir morgen die Räumlichkeiten. Für heute denke ich, ist es erst einmal genug. Du musst dich unbedingt noch schonen. So eine Amnesie ist für den ganzen Organismus eine große Herausforderung!"

Die beiden Frauen tranken ihren Tee aus und Mara verabschiedete sich in großer Dankbarkeit. Langsam ging sie über den großen Hof zum Appartementhaus auf dessen Stufen Barry schon auf sie wartete. "Was für ein Tag!", dachte sie bei sich und schüttelte unwillkürlich mit dem Kopf. Der große Hund begleitete sie ins Appartement und bewachte sie auch die zweite Nacht auf dem Rosenhof.

Sie konnte sich gar nicht mehr daran erinnern, wie sie eingeschlafen war, geschweige denn an das Gefühl, das sich gerade in ihrem Körper breitmachte. Die Morgensonne, die durch die bunten Vorhänge blinzelte, hatte sie wach werden lassen und sie genoss es, in aller Ruhe ganz wach zu werden.

Sie brauchte immer schon einige Zeit, bevor sie aufstehen konnte. Als sie noch Schülerin war, war das immer ein großes Problem gewesen. Keiner in der Familie konnte das verstehen. Oft war ihr übel, wenn sie versuchte, es den anderen gleichzutun, bis sie sich den Wecker eine halbe Stunde vor dem offiziellen Aufstehen stellte, um in ihrem Tempo in den Tag starten zu können.

Heute war das Aufwachen jedoch noch einmal anders. Die Morgenstimmung war fein und durch das zweite Fenster, dessen Vorhänge sie nicht zugezogen hatte, nahm sie die ersten Nebelschwaden über dem Wald auf der anderen Seite des Hügels wahr. Mit ihrer großen Fantasie konnte sie sogar Gestalten darin erkennen. Was für ein schönes Gefühl!

Barry lag auf dem Bettvorleger und schnarchte leise vor sich hin, so dass sie ihn ganz vorsichtig ansprach, um aufstehen zu können. Wie spät es wohl war? Sie hatte keine Ahnung; ihre Armbanduhr war ja auch weg. Sie öffnete die Fenster und horchte in den Morgen. Ob Lara und Luis schon im Stall waren? Sie vernahm leises Muhen und hörte die Geräusche der Melkanlage. Das waren sichere Zeichen, dass schon Leben auf dem Hof war und sie sich langsam zurechtmachen konnte.

Sie freute sich schon auf das Frühstück und hatte mächtig Appetit. Auch dieses Gefühl war ihr schon lange nicht mehr bewusst geworden. Was war mit ihr los?

Laras Bluse passte ihr wie angegossen und der Duft der flüssigen Duschseife erinnerte sie an Rosen und Lavendel. Ob Lara die Seife wohl selbstgemacht hatte? Die Bäuerin hatte sie gestern Abend mehr als überrascht mit allem, was sie außer der Arbeit auf dem Hof sonst noch machte. Wie alt Lara wohl sein mochte? Sie verschob die Frage auf später und ging hinüber zum Haupthaus.

Im Erdgeschoß brannte Licht und die Haustür war angelehnt. So traute sie sich hinein. In der Küche hörte sie leise Stimmen und so klopfte sie vorsichtig an die Tür. "Komm ruhig herein, Mara", hörte sie Luis´ Stimme. "Na, du Langschläferin, auch schon wach?"

Aus seinem bärtigen Gesicht blickten Mara zwei funkelnde Augen entgegen und sie entgegnete ihnen mit einem herzlichen Guten-Morgen-Gruß. Der Duft von frischem Kaffee erfüllte den Raum und als Mara das dunkle Brot und die verschiedenen Marmeladen entdeckte, fragte sie ganz keck, ob sie denn ein Frühstück bestellen könnte.

"Welche Frage, gnädige Frau", fing Luis den Ball auf und fragte nach ihren Wünschen. "Schinken, Käse oder Eier? Darf es auch ein Saft oder ein Prosecco sein? Alles was das Herz begehrt!"

Mara musste herzhaft lachen und so begann ein Tag, den sie nie vergessen sollte...

 


 

Dies war der vierte Teil meiner Fortsetzungs-Geschichte rund um Mara. Weiter geht es hier mit Teil 5

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Margaretha Schedler mit Buch

Ich bin Margaretha Schedler und schreibe seit 2019 hier im

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über mein gelebtes Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Seit dem Tod unseres Sohnes im Jahr 2020 widme ich mich verstärkt dem Thema Tod und Trauer. Mein Maskottchen »„Guckamol“ ist dabei immer an meiner Seite.

Ich möchte Dich inspirieren damit du die Schätze deines Lebens erkennen und ein zufriedenes und glückliches Leben führen kannst. Auf meiner »Startseite und »„Über Mich“- Seite kannst Du mich näher kennenlernen.

2 Kommentare

  1. Liebe Margaretha,

    das zieht einen wirklich rein. Man kann sich alles vorstellen, manchmal fast schon riechen oder schmecken und dann freut man sich mit Mara mit.

    Bin gespannt, wie‘s weitergeht!

    Ich drück‘ Dich!

    Reply
    • Liebe Annette, vielen Dank für Dein Lob. Das bedeutet mir sehr viel. Ich freue mich sehr über Dein Interesse und schön, dass ich mit dem Text auch Deine Sinne ansprechen konnte.

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