Blick auf den Rottachspeicher im Allgäu. Im Hintergrund der Grünten, der "Wächter des Allgäus"

Geplatzte Knoten?

von Margaretha Schedler | 12. Mai 2026 | 4 Kommentare

Dieser Text ist Teil einer Fortsetzungs-Geschichte, die ich intuitiv und über eine längeren Zeitraum in Etappen geschrieben habe. Ermutigt von mehreren klugen Frauen in meinem Umfeld veröffentliche ich die Geschichte jetzt als Artikelserie auf meinem Blog. Alle Teile sind in der Kategorie Maras Geschichte gesammelt, du kannst sie darüber finden. Starte am besten mit Teil 1: Erwachen.

Wenn aus Gedanken Bilder werden, aus Bilder Texte und aus Texten wieder Bilder, dann beginnt das Leben zu leben...


 

Neue Unterstützer

Lara und Luis schwiegen eine Weile, beide in ihre Gedanken vertieft. Dann kam Lara eine Idee: „Ich rufe eine Kollegin aus meiner Hebammenzeit, die sich als Psychotherapeutin weitergebildet hat, an. Vielleicht kann sie uns einen Tipp geben, wie wir uns verhalten sollen.“ Sie schüttelte mit dem Kopf: „Dass mir das nicht schon eher eingefallen ist!“

Gesagt, getan. Zum Glück hatte Lara beim letzten Kurstreffen alle Telefonnummern ihres Jahrgangs notiert und verlor keine Zeit, Steffi anzurufen. Steffi war direkt selbst am Apparat und hörte sich die Schilderung von Lara interessiert an, ohne zu unterbrechen.

"Was hältst du davon, wenn ich vorbeikomme? Dann könnte ich mir ein besseres Bild von Maras Amnesie machen? Wohnst du noch auf dem Rosenhof?"

Mit einem solch großzügigen Angebot hatte Lara nun wirklich nicht gerechnet und ihr fiel ein großer Stein vom Herzen: "Wann könntest du denn da sein?"

"Ich habe meine Praxis im Moment geschlossen, da meine Mutter verstorben ist und ich für den Nachlass zuständig bin", meinte Steffi. Sie könne sich ihre Zeit gut einteilen und helfe gerne. "Und wegen der Belastung, Lara... Frag doch mal bei der Polizei nach, wie dringend die Gegenüberstellung wirklich ist. Im Falle einer Amnesie spielt die Zeit danach eine große Rolle, wenn es darum geht, sich wieder an die auslösende Situation zu erinnern. Hier etwas zu überstürzen, würde Mara nicht helfen."

Lara dankte Steffi vielmals und wählte anschließend sofort die Durchwahlnummer von Tom. Dieser hatte auch schon über eine psychologische Unterstützung für Mara nachgedacht, freute sich jedoch, dass Steffi behilflich sein würde. Er hatte diese kluge Frau vor vielen Jahren selbst kennengelernt und schätzte sie sehr. Er versprach Lara, sich um die Dringlichkeitsstufe zu kümmern und ihr dann Bescheid zu geben.

Jetzt war Lara an der Reihe, Luis auf den Stand der Dinge zu bringen. Beide waren über die Entwicklung sehr erleichtert.

"Ich glaub, wir brauchen einen Schnaps", meinte Luis. Ihn brachte zwar nichts so schnell aus der Ruhe, doch mit Unwägbarkeiten konnte er schon immer schlecht umgehen. Außerdem hatte schon seine Mutter immer nach einer Kässpatzen-Mahlzeit einen Schnaps getrunken.

Mittlerweile hatte es zu regnen begonnen und die Außentemperatur hatte merklich an Graden eingebüßt. Barry wachte wie immer über Mara und so gönnte sich auch Lara ein kurzes Nickerchen auf dem Sofa. Ihr System brauchte dringend Erholung. Luis wollte in der Tageszeitung noch einen Artikel nachlesen und dann die neuen EU-Richtlinien bezüglich der Grünlanddüngung studieren. Das konnte er am besten in seinem Arbeitszimmer. So kehrte etwas Ruhe auf dem Rosenhof ein.

Mara konnte es kaum glauben, dass sie so lange geschlafen hatte. Es war Nachmittag, fast 15:00 Uhr. Anscheinend brauchte ihr Körper ganz besonders viel Regenerationszeit. Aber das war nicht schlimm, denn sie hatte sich nichts vorgenommen und als sie das Geräusch des prasselnden Regens bemerkte, war sie sogar erleichtert. Sie fragte sich, was Lara wohl unter diesen Bedingungen machte. Seit sie auf dem Rosenhof war, war immer schönes Spätherbstwetter. Wie sich das Leben der Bauersläute wohl bei Schlechtwetter gestaltete?

Neugierig verließ sie das Appartement und ging über den Hof ins Haupthaus. Dort traf sie Lara an der Bügelmaschine, wie sie routiniert die großen Laken durch die Walze fädelte, auf der anderen Seite entgegennahm und zusammenlegte. Dazu spielte leise Musik.

"Heute hast du aber lange geschlafen!", meinte Lara, als sie Mara bemerkte. Sie lachte: "Aber bei dem Regenwetter versäumst du ja nichts." Flink arbeiteten ihre Hände weiter, nur kurz blickte sie Mara an. "Ich bin gleich fertig, dann könnten wir mal zusammen über den Ablauf meines Seminares schauen, was meinst du?"

Mara war sofort Feuer und Flamme, immerhin hatte sie schon lange den geheimen Wunsch, selbst mal ein Seminar in praktischer Gesundheitsvorsorge anzubieten. Sicherlich konnte sie von Lara etwas lernen. So verliefen die zwei Stunden, bis Lara wieder in den Stall musste, wie im Flug.

Maras Hilfe war heute nicht nötig und so bereitete sie in der Zwischenzeit die Brotzeit vor, die obligatorisch nach der Stallzeit die Abendzeit einläutete. Im Kühlschrank entdeckte sie einen reifen Camembert, machte daraus einen Obatzten und hoffte, dass diese Abwandlung den beiden schmecken würde. Auch die Gurke richtete sie mundgerecht auf einen Teller und aus dem Schmand zauberte sich einen Dip. Wenn sie schon verköstigt wurde, wollte sie zumindest für eine besondere Atmosphäre sorgen.

Während sie in der Küche werkelte, reifte in Mara der Entschluss, mit Lara und Luis über ihre Amnesie zu sprechen und was sie davon hielten, die Polizei mit ins Boot zu holen. Vielleicht hatte irgendjemand ihren Rucksack gefunden und dort abgegeben. Ohne ihre persönlichen Dinge fühlte sie sich nicht vollständig und irgendwie nicht als ganze Person. Eine Fremde ohne eigenen Besitz.

Lara und Luis waren höchst erfreut über den geschmackvoll gedeckten Tisch und mehr als angetan von Maras Obatzten. Luis hatte schon sehr lange keinen mehr gegessen und lobte ihr Rezept. Lara dagegen wollte unbedingt die Mischung des Schmands wissen. Sie hatte Schmand bisher ausschließlich zum Abschmecken für Soßen verwendet und war begeistert.

Nach dem Abdecken nahm Mara all ihren Mut zusammen und setzte Lara und Luis von ihrem Vorhaben in Kenntnis, die Polizei zu konsultieren. Fast gleichzeitig fiel beiden die Farbe aus dem Gesicht und sie sahen einander an, zwei fragende Mienen voller Zweifel. Mara war irritiert. Nach einem Moment unangenehmer Stille fand Lara zuerst ihre Sprache wieder. Sie wollte der jungen Frau endlich reinen Wein einschenken und hoffte, dass Mara stabil genug war, die Wahrheit zu verkraften.

"Mara... Die Polizei ist bereits involviert. Kurz nachdem wir dich gefunden hatten, hat man uns gemeldet, dass sich ein entflohener Straftäter in den umliegenden Wäldern aufhalten könnte. Alle Anwohner wurden gewarnt. Wir haben dir davon nichts erzählt, um dich nicht zu beunruhigen. Auch hofften wir, du würdest dich baldmöglichst an alle Details vor deiner Ohnmacht wieder erinnern. Als wir bei der Waldhütte waren, entdeckten wir dort einen Fremden und verständigten sofort die Polizei. Die konnte ihn Gott sei Dank dingfest machen. Luis´ Cousin Tom ist bei der Polizei und ihn haben wir auch über deinen Aufenthalt hier bei uns informiert. Er meinte, wir sollten noch etwas warten, bevor wir dir von der Festnahme erzählen, um deine Rekonvaleszenz nicht zu gefährden. Es tut mir leid, ich hoffe, du bist uns jetzt nicht böse." Lara schaute auf ihre Hände, als wüsste sie nicht genau, was sie tun sollte. "Wir wollten dich nur schützen."

Mara musste zuerst dreimal tief durchatmen und da sie keinen Ton herausbrachte, nahm Lara sie einfach in den Arm. Daraufhin brach es aus Mara heraus und sie begann, herzzerreißend zu weinen. Die Bäuerin hielt sie fest, streichelte ihr über den Rücken. Aus ihrer Hebammenzeit kannte sie die Reaktionen der Menschen, wenn bisher Unausgesprochenes auf Resonanz fiel. Luis überforderte die Situation etwas und so war er erleichtert, als das Telefon klingelte und er abnehmen musste.

Mara beruhigte sich nur langsam, doch peu à peu sprudelten Wörter aus ihr heraus, die einem Wasserfall glichen. Lara verstand zuerst nur Bahnhof, doch als Mara ihren Atemrhythmus wiedergefunden hatte und sich strukturieren konnte, lag eine unglaubliche Geschichte in der Luft.

Lara fand sich in einem Krimi mit Supergau wieder...

 


 

Dies war der achte Teil meiner Fortsetzungs-Geschichte rund um Mara. Weiter geht es hier mit Teil 9

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Margaretha Schedler mit Buch

Ich bin Margaretha Schedler und schreibe seit 2019 hier im

Lebensschatzkisten-Blog.

über mein gelebtes Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Seit dem Tod unseres Sohnes im Jahr 2020 widme ich mich verstärkt dem Thema Tod und Trauer. Mein Maskottchen »„Guckamol“ ist dabei immer an meiner Seite.

Ich möchte Dich inspirieren damit du die Schätze deines Lebens erkennen und ein zufriedenes und glückliches Leben führen kannst. Auf meiner »Startseite und »„Über Mich“- Seite kannst Du mich näher kennenlernen.

4 Kommentare

  1. Der letzte Satz, liebe Margaretha, macht es dieses Mal sehr spannend. Was das wohl sein wird? Supergau? Ich denke gerade in verschiedene Richtungen.
    Ich mag es, wenn so ein Knistern beim Lesen entsteht.
    Schön, wie du die Geschichte in kleinen Portionen servierst.
    Bin gespannt, wie sich das auflöst, was nun tatsächlich geschehen ist.
    Dankeschön. Das macht Freude.

    Reply
    • Liebe Petra,
      dass ich Dir als Romanautorin eine Lesefreude bereiten kann spornt mich an und macht mich sehr glücklich. Wie schön, dass ich sogar Gefühle in Dir auslösen konnte. Weiterhin viel Freude mit meinen Lesehäppchen.

  2. Hallo liebe Margaretha,
    wieder ein Stückchen näher kommen wir der Auflösung, die ich weiterhin mit Hochspannung verfolge…Ein gut gelungener Mix aus den alltäglichen Aufgaben von Mara, Lara und Luis und am Ende die Konfrontation von Mara über die aktuelle Gefahrenlage. Kann sie sich nun an alles erinnern? Mit Freude sehe ich der Fortsetzung entgegen…
    Liebe Grüße
    Lydia

    Reply
    • Liebe Lydia,
      ich freue mich sehr, dass Du Maras Weg in ein neues Leben verfolgst. Nichts ist aufregender, als das LEBEN selbst, das uns immer wieder herausfordert. Das uns aber auch Menschen an die Seite stellt, die uns unterstützen. Mara darf dies gerade auf einzigartige Art und Weise erfahren.

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