Kennst Du deine Angst?

7. Juli 2019 | 4 Kommentare

Jeder von uns kennt natürlich das Wort „Angst“, doch wer oder was ist Angst?

„Meine Angst fährt immer mit“, sagte mir neulich ein Bekannter. Er hat keine andere Möglichkeit als mit dem Auto zu seiner Arbeitsstelle zu kommen und täglich sitzt ein unsichtbarer Beifahrer neben/hinter ihm.

Ich habe Angst vor, von …….! Hier könnten wir viele Attribute einsetzten.

Jeder von uns spürt seine Angst auf ganz individuelle Weise und hat Strategien mit ihr umzugehen. Mehr oder weniger erfolgreich.

Fakt ist jedoch, die Angst gehört zu uns Menschen, wie die Freude, Liebe und Trauer.
Wir können und müssen jedoch lernen, unsere eigene Angst anzuerkennen und mit ihr zu leben.

 

Hierzu meine Geschichte:

Meine Angst heißt „Mögli“ und schon länger verspüre ich den Wunsch, Mögli zu besuchen. Das ist jedoch nicht so einfach; denn sie ist eine Respektsperson.
Heute hat mich jedoch der „Haber“ gestochen. (Das ist der Allgäuer Ausdruck für übermütig sein). Dieses leichte Gefühl beflügelt und so mache ich mich auf den Weg.

Ich weiß, wo Mögli wohnt und voller Vorfreude lache ich in mich hinein. Wie wird unsere erste Begegnung sein? Wir kennen uns zwar, hatten aber noch nie miteinander gesprochen.

Am Gartentor habe ich plötzlich weiche Knie und Herzklopfen, doch was kann mir schon passieren. Bestenfalls ist sie nicht zu Hause.

Das Holztor ist grau verwittert und an der rechten Seite, an einem gebogenen starken Ast hängt eine alte Kuhglocke. Am Klöppel ist ein längeres Seil befestigt. Ich muss etwas Kraft aufwenden um einen Ton zu erzeugen, doch es gelingt mir nach einigen Versuchen.

Gespannt warte ich.

Mögli: Einen kleinen Moment bitte, ich komme sofort.

Ich nehme eine tiefe Frauenstimme wahr und ihr Klang berührt mich tief.

Mögli: Oh, was für eine Überraschung! Was verschafft mir die Ehre?

Margaretha: Hallo Mögli, grüß dich. Hättest Du vielleicht etwas Zeit für mich? Ich wollte schon lange mal bei Dir vorbeikommen, hatte jedoch nie den Mut dazu.

Mögli: Jetzt komm erst mal herein. Du hast Glück, ich habe heute nichts Besonderes vor.
Schau dich gerne ein wenig in meinem Garten um, ich bin gleich für dich da. Dort hinten unter der großen Buche steht eine Sitzgruppe, dort können wir uns ungestört unterhalten.

Margaretha: Danke schön, hier ist es ja zauberhaft.

Ich bewundere die Dahlienrabatten die den Kiesweg säumen und gehe durch einen mit duftenden Kletterrosen bewachsenen Spalierbogen.
Dann entdecke ich einen kleinen mit weißen und rosafarbenen Seerosen bewachsenen Naturteich. Das Wasser zieht mich magisch an. Eine Kröte fühlt sich gestört und hüpft davon. Mehrere Libellen tanzen über der Wasseroberfläche und Wasserläufer huschen davon.
Unbemerkt verliere ich meine anfängliche Aufregung und merke gar nicht, dass Mögli hinter mir steht.

Mögli: Schön, nicht wahr?

Margaretha: Wie im Märchen. Da hast Du ein ganz besonders schönes Stückchen Erde.

Mögli: Ja, ich hege und pflege es mit Hingabe. Ich liebe meinen Garten. Komm, wir gehen zur Buche hinüber. Ich habe uns eine Erfrischung bereitgestellt und der Ausblick von dort ist etwas ganz Besonders. Dann kannst mir erzählen, was der Grund deines Besuches ist.

Margaretha: Ja, das ist jetzt nicht so einfach für mich und ich bin schon etwas nervös.

Mögli: Trink erst mal einen Schluck. Das ist mein Quellwasser mit selbstgemachtem Holdersirup. Dann spricht es sich leichter.

Margaretha: Wir zwei kennen uns ja schon sehr lange, haben uns aber noch nie unterhalten.

Mögli: Das stimmt und das ist JETZT nötig?

Margaretha: Ja, es ist sogar sehr wichtig für mich!
Zuerst möchte ich mich bei Dir, liebe Mögli bedanken, dass Du immer für mich da bist. Das fällt mir nicht leicht zu sagen; denn ich habe Dich immer als meinen größten Feind wahrgenommen und deshalb nie mit Dir gesprochen.

Mögli: Was ist passiert, dass sich Deine Einstellung geändert hat?

Margaretha: Ich durfte Menschen begegnen, die mich auf Deine wertvolle und nicht so leicht verständliche Arbeit hingewiesen und mir bewusst gemacht haben, dass ich Dich sehr missachtet habe.

Mögli: Aha, das kann ich nachvollziehen, ist aber nicht so tragisch!

Margaretha: Oh, doch! Ohne Dein beständiges und oft sehr laut werdendes Eingreifen würde ich heute nicht mehr leben, bzw. nicht der wertvolle und wundervolle Mensch sein, der ich heute bin.
Du hast mir in bedrohlichen Situationen rechtzeitig Einhalt geboten und mich damit vor Schaden bewahrt, auch wenn ich es oft nicht verstanden habe.

Mögli: Ja, das ist doch meine Aufgabe!

Margaretha: Mag schon sein, doch diese als solche zu erkennen, war für mich außerordentlich schwer wahrzunehmen und zu akzeptieren.

Heute bin ich gekommen, um Dir Vergelt´s Gott zu sagen!

Mögli: Das hat mir ja noch niemand gesagt. Segne´s Gott.

Margaretha: Eine Bitte hätte ich noch:

Liebe Mögli, sei auch weiterhin meine treuer Begleiterin, wenn möglich, nicht mehr ganz so heftig.

Ich durfte durch Dein Dasein schon sehr viel lernen und sorge mittlerweile gut für mich.

So sind die „5 Prinzipien nach Pfarrer Kneipp“ ein wichtiger Eckpfeiler meines Lebens.
Mit Entspannungstechniken, wie dem Trophotraining und Qi Gong habe ich gelernt, Deine Sprache besser zu verstehen.

Mögli: Oh, das freut mich sehr, dann muss ich mich in Zukunft nicht mehr so anstrengen. Rechnen musst Du mit mir jedoch weiterhin!

Margaretha: Ja, das ist mir klar, Du gehörst zu meinem Leben und das ist gut so.

Mein heutiger Besuch galt der Dankbarkeit Dir gegenüber und dieser war überfällig. Viel zu lange hatte ich Vorbehalte.

Mögli: Ich bin sehr gerührt.

Wir saßen noch eine Weile schweigend beisammen, genossen die Limonade und die Atmosphäre des Gartens. Das Gefühl eines tiefen Friedens umgab uns.

Der Abschied war sehr herzlich und ich lud Mögl in mein Sommerwohnzimmer ein.

Was für eine Begegnung!

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4 Kommentare

  1. Maria

    Wow, was für ein tiefgründiger Artikel.
    Danke dafür

    Antworten
    • Margaretha Schedler

      Vielen Dank, liebe Maria. Ich wollte mal eine andere Sicht aufzeigen.

  2. Irka

    Ein spannender Dialog – es lohnt sich, sich in „unbekannte“ Gefilde aufzumachen und sich auf neue Begegnungen einzulassen 🙂

    Antworten
    • Margaretha Schedler

      Danke Dir liebe Irka für Deine Einschätzung. Ich habe versucht die „Angst“ mit neuen Augen zu sehen. Es freut mich, dass Du den Ball aufgefangen hast.

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