Blick auf den Rottachspeicher im Allgäu. Im Hintergrund der Grünten, der "Wächter des Allgäus"

Spurensuche

17. Februar 2026 | 4 Kommentare

Dieser Text ist Teil einer Fortsetzungs-Geschichte, die ich intuitiv und über eine längeren Zeitraum in Etappen geschrieben habe. Ermutigt von mehreren klugen Frauen in meinem Umfeld veröffentliche ich die Geschichte jetzt als Artikelserie auf meinem Blog. Alle Teile sind in der Kategorie Maras Geschichte gesammelt, du kannst sie darüber finden. Starte am besten mit Teil 1: Erwachen.

Wenn aus Gedanken Bilder werden, aus Bilder Texte und aus Texten wieder Bilder, dann beginnt das Leben zu leben…


 

Nur ein Zufall?

Die beiden Bauersleute schauten sich an und Lara, die mittlerweile Mara das Du angeboten hatte, begann zu erzählen.

„Barry, dieser große Tiger da“, sie zeigte in Richtung des Berner Sennhundes, „kam gestern Nachmittag entgegen seiner Natur laut bellend in den Stall und war durch nichts zu beruhigen, bis Luis ihm folgte. Vorne, in Richtung Wald“, sie zeigte mit der Hand nach links, „fand dich Luis ohnmächtig im Gras und brachte dich auf den Rosenhof. Du warst nicht ansprechbar, hast aber ruhig und gleichmäßig geatmet, worauf wir beschlossen keinen Arzt zu rufen und dich in die Stube zu legen. Barry ist seitdem nicht von deiner Seite gewichen. Die ganze Nacht lag er, wie eine Mauer, längsseits vor der Coach und bewachte dich.“

„Dann war das wohl Barrys feuchtwarme Schnauze, die ich auf meinem Handrücken spürte, als ich aufgewacht bin“, sagte Mara.

Frau Lara nickte. „Weißt du denn wirklich überhaupt nichts mehr? Nicht mal, wie und wann du auf den Berg und an den Waldrand gekommen bist?“ Sie runzelte besorgt die Stirn und sagte: „Vielleicht kommt dein Gedächtnis wieder, wenn wir nach draußen gehen und du dich etwas orientieren kannst. Fühlst du dich schon stark genug?“

„Passt schon“, erwiderte Mara und schaute an sich herunter. „Hatte ich vielleicht eine Jacke an? Es sieht etwas grauisch aus, da draußen.“

„Nein, mehr hattest du nicht an, doch ich gebe dir eine von mir, wir haben ja fast die gleiche Größe“, so Lara.

Sie standen auf und wandten sich zum Gehen. Als Barry bemerkte, dass Mara den Raum verlassen wollte sprang er sofort auf und trottete neben ihr her.

„Schau mal, er lässt dich nicht aus den Augen, nicht einmal, wenn ich in deiner Nähe bin“, meinte Lara. Als Hundekennerin deutete sie dies so, dass ihr Hofhund Mara wohl aus einer heiklen Situation befreit haben musste. Auf diese Art von Apportieren hatte sie Barry als Hundetrainerin geschult und er beherrschte diese Arbeit perfekt. So konnten sie sich hier auf dem Einsiedlerhof, fernab näherer Nachbarn, vor Fremden und Überfällen sicher fühlen. Diese Annahme behielt sie jedoch vorsichtshalber im Moment noch für sich.

An der frischen Luft ließ sich Mara noch einige Atemzüge Zeit zur Orientierung, dann gingen die Frauen schweigend die Schotterstraße entlang Richtung Wald. Nach etwa 30 Minuten blieb Mara ruckartig nah einer Lichtung stehen.

„Hier war ich schon einmal, ich erkenne den Ausblick, die Weite und die Hügelkette in der Ferne. Wo hat mich Barry denn gefunden?“

Als der Hund seinen Namen hörte bellte er bemerkenswert vorsichtig, stupste Mara kurz an und trottete geradeaus weiter bis zur Einmündung des Waldweges auf die angrenzende Wiese. Dann blieb er stehen und scharrte ein wenig mit den Pfoten. Hatte Barry tatsächlich verstanden, was sie gefragt hatte?

An dieser Stelle setzte sie sich nach Anraten von Lara ins Gras. Plötzlich begann ihr Puls zu rasen und ihre Pupillen weiteten sich. Lara erfasste sofort die Situation, zog sie hoch und umarmte sie lange, sehr lange. Irgendetwas musste passiert sein, das spürte Mara, doch was? Sie konnte sich nicht erinnern. Hatte keine Ahnung, wie sie auf den Berg gekommen war und was sie hier wollte. Sollte sie ihr Gedächtnis verloren haben?

„Lass uns zurückgehen“, meinte Lara, die immer noch die Hand von Mara festhielt. In dieser Haltung erwartete sie Luis mit bemerkenswert getrübtem Gesichtsausdruck. Lara kannte ihren Mann lange genug um zu wissen, dass etwas Unvorhergesehenes passiert sein musste, doch sie ließ sich vor Mara nichts anmerken.

Mittlerweile war es Zeit fürs Mittagessen geworden und Lara fragte Mara, ob sie ihr beim Kartoffelschälen und Salat einputzen helfen wolle. So hatte sie Gelegenheit, Mara etwas näher kennenzulernen. Der Wunsch danach beruhte auf Gegenseitigkeit.

Luis und Lara lebten auf dem Rosenhof allein, nachdem die Kinder Karl und Hilde ausgezogen waren. Sie waren beide noch fit und bewirtschafteten das Anwesen samt Kühen, Hühnern, ein paar Laufenten und einer kleinen Teichwirtschaft mit großer Leidenschaft und Liebe. Das Austragshaus, in dem die Eltern von Luis bis zu ihrem Tod wohnten, hatten sie zu einer Ferienwohnung und einem Appartement umgebaut, die sie in den Sommermonaten vermieteten. Das war ein lukrativer Zusatzverdienst und auf ihre Stammgäste konnten sie sich verlassen.

„Wenn du möchtest, kannst du gerne so lange du möchtest hierbleiben, das Appartement ist gerade frei und die Familie in der Ferienwohnung reist am Wochenende ab“, bot Lara Mara an.

„Das wäre ja wunderbar! Ich habe aber weiter nichts als meine Kleider am Leib“, sagte Mara, die sich aber erinnerte, dass sie einen Rucksack bei sich hatte. Wo dieser wohl abgeblieben war? Doch im Moment war ihr alles egal. Sie war einfach nur dankbar, so liebe Menschen um sich zu haben und in Barry einen nicht von ihrer Seite weichenden Beschützer zu wissen.

Lara zeigte ihr das Appartement und ging dann zurück ins Bauernhaus. Dort wurde sie schon von Luis erwartet. Seine Mimik verriet ihr, dass ihn irgendetwas sehr zu beschäftigen schien. Bevor sie fragen konnte, überrollte sie Luis: Die Polizei habe angerufen, als sie mit Mara und Barry unterwegs war und vor einem entflohenen Strafgefangenen gewarnt, der tags zuvor in Richtung Rosenhof gesichtet worden war. Sie sollten unbedingt vorsichtig sein und die Dienststelle sofort informieren, falls sie etwas Verdächtiges bemerkten.

Waren Mara und der Mann zusammengetroffen? War Mara deshalb ohnmächtig geworden oder war mehr passiert? Fragen über Fragen gingen den beiden durch den Kopf. Konnten, sollten sie Mara darauf ansprechen? Noch schien ihnen das nicht sinnvoll zu sein. Die junge Frau musste sich erst erholen und sortieren. Aber wer weiß? Könnte das Verschwinden ihrer persönlichen Dinge vielleicht mit einem Überfall in Verbindung gebracht werden? An Schlimmeres wollten sie vorerst nicht denken. So beschlossen sie, sich nichts anmerken zu lassen.

Mara hatte es sich in der Zwischenzeit im Appartement gemütlich gemacht und war auf der Couch eingeschlafen. So bemerkte sie Lara  nicht, als diese ihr einige Kleidungsstücke und Unterwäsche zum Wechseln, Zahnbürste, Zahnpasta, Duschgel und Handtücher ins Badezimmer legte.

Barry rührte sich nicht, er erkannte sein Frauchen am Geruch. So schlich Lara auf Zehenspitzen wieder hinaus.

 


 

Dies war der zweite Teil meiner Fortsetzungs-Geschichte rund um Mara. Weiter geht es hier mit Teil 3

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Margaretha Schedler mit Buch

Ich bin Margaretha Schedler und schreibe seit 2019 hier im

Lebensschatzkisten-Blog.

über mein gelebtes Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Seit dem Tod unseres Sohnes im Jahr 2020 widme ich mich verstärkt dem Thema Tod und Trauer. Mein Maskottchen »„Guckamol“ ist dabei immer an meiner Seite.

Ich möchte Dich inspirieren damit du die Schätze deines Lebens erkennen und ein zufriedenes und glückliches Leben führen kannst. Auf meiner »Startseite und »„Über Mich“– Seite kannst Du mich näher kennenlernen.

4 Kommentare

  1. Spurensuche ist schon mal ein sehr passender Titel für diesen Teil. Er vertieft die Geschichte auf sehr berührende Weise. Das Angebot für Mara auf dem Hof bleiben zu dürfen, schafft erneut Spannung. Was wird geschehen? Wo geht es hin?
    Schön auch, wie du die Beziehung zwischen Mensch und Tier einbindest. Barry bekommt eine ganz besondere Rolle und Mara sucht weiter nach Antworten.
    Ich lese mit Neugier weiter. Dankeschön.

    Antworten
    • Liebe Petra, es ist wie im echten Leben, wir alle sind irgendwann auf der Suche, wenn Unvorhergesehenes geschieht und dankbar, wenn Menschen und auch Tiere uns in der Neuorientierung begleiten. Beides ist ein großes Geschenk. Ich freue mich sehr, dass Du Mara weiter begleiten wirst.

  2. Herzlichen Glückwunsch zum Blogjubiläum, liebe Margaretha! Und was für eine spannende Geschichte! Wie es wohl weitergehen wird? Ich werde sicher weiterlesen!

    Antworten
    • Ich danke Dir, liebe Annette, ich wollte mal etwas anderes schreiben. Du darfst wirklich gespannt sein. So schön, dass Du mich begleitest.

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