Ein „Cappuccinogespräch“ unter Freundinnen

Kennst Du Deine Mitbewohner?

Diese Frage stellte ich etwas überraschend meiner Freundin Laura bei einem unserer beliebten Treffen bei Cappuccino, Butterbreze und frisch gepresstem Orangensaft.

Was soll das denn?

Also, kennst Du sie nun oder nicht?

Du weißt doch, wo und wie wir wohnen und unsere Nachbarn sind schon viele Jahre dieselben, klar kenne ich diese.

Ich meine nicht Deine Nachbarn, sondern Deine persönlichen Mitbewohner.

Sorry, das ist ja noch eigenartiger.

Also, nun rede endlich Klartext, warum stellst Du mir diese Frage?

Daraufhin beginne ich geduldig zu erklären und es entwickelte sich ein interessantes Gespräch an dem ich Dich gerne teilhaben lasse.

Ich: Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, dass jeder von uns, Du und ich, alle Menschen, mehr als 100 Billionen Mitbewohner in unserem Körper haben.

Laura: Wie bitte? Wie kommst Du denn darauf und wo sollen die denn sein?

Ich: Schon seit längerer Zeit stoße ich vermehrt auf Artikel und Sendungen, in denen von der Wichtigkeit unseres Darmes (und unseres Mikrobioms) berichtet wird. In diesem Zusammenhang wird auf die enorm hohe Zahl von lebendigen Bakterienstämmen, man könnte auch Bakterienfamilien sagen, und deren große Bedeutung für unsere Gesundheit aufmerksam gemacht.

Das Bild einer Blumenwiese mit einer Mondlandschaft wäre ein guter Vergleich.

Laura: Aha, davon habe ich noch nie etwas gehört. Wie kommen denn diese Bakterien in meinen Darm?

Ich: Was meinst Du?

Laura: Ach so, na klar, über das, was wir essen und trinken, oder?

Ich: Genau!

Wenn wir das Licht der Welt erblicken ist unser Darm fast steril. Fast deshalb, da die meisten von uns im Mutterleib schon mal ein paar Schlückchen Fruchtwasser kosten und darin bereits die ersten Bakterien sind.

Ab dem Zeitpunkt unserer Geburt – beginnend mit der Muttermilch bzw. Babynahrung – kommen immer neue hinzu.

Doch nicht nur hieraus.

Speziell die hauseigenen Bakterienstämme unserer Familie sowie die des Umfelds liefern kostenlos ein buntes Potpourri dazu.

So summieren sich unsere Mitbewohner ein Leben lang. Das wichtigste ist natürlich, dass wir mit ihnen sorgsam umgehen. Das heißt, wir müssen sie hegen und pflegen und ihnen das geben, was sie lieben.

Laura: Und woher weiß ich was sie brauchen?

Ich: Schau, jeder von uns hat von Kindesbeinen an seine bevorzugten Speisen und ich weiß nicht, wie es Dir geht, ich koche und esse das am liebsten, was ich kenne.

Selbstverständlich probiere ich schon mal was Neues aus, Oliven, Artischocken, Physalis etc. Aber selbst Pizza war für meine Bakterien im Erwachsenenalter etwas völlig Neues. Die Kombination aus warmem Teig und Salami z.B. kannten meine Untermieter nicht und prompt haben die Herrschaften eine Schlacht angezettelt. Selbst heute nach langer Gewöhnungszeit (ich liebe Salamipizza!), sind sie immer noch kein Freund dieser Kombination.

Wie sieht das bei Dir aus, wenn Du etwas Neues isst?

Laura: Na ja, wenn ich genauer darüber nachdenke hält sich die Freude meiner Mitbewohner auch in Grenzen und ein lautes Gespräch, oft auch großes Gejammer, beginnt, verständlicherweise!

Ich: Genau, wir bekommen Blähungen und im schlimmsten Fall Beschwerden in Form von, na, Du weißt schon was ich meine.

Laura: Ach so ist das!

Ich: Landläufig sagen wir dann, wir haben dieses oder jenes nicht vertragen und haken die Sache ab.

Schade eigentlich, denn unsere Mitbewohner wollen uns mit ihrer Spontanmeldung bewusst machen:

Achtung! Bitte kein zweites Mal, wir sind darauf nicht vorbereitet. Du behinderst unsere Arbeit.

Die Tätigkeit unserer Helfershelfer ist von übergroßer Wichtigkeit, sind sie doch für unser Leben mit verantwortlich.

Sie entlocken auf wundersame Weise und ganz ohne unser aktives Zutun unserem Essen wertvolle Energie und diese ist doch die Grundlage unseres Lebens, oder?

Laura: Ja, klar, so habe ich das noch nie betrachtet.

Ich: Ohne ihre Anwesenheit könnten wir nicht leben! Daher kommt auch der Spruch:

„Das Leben liegt im Darm.“

Und nicht nur das, sie schützen uns mit ganz speziellen untereinander abgestimmten Prozessen vor krank machenden Eindringlingen, die wir meist nicht einmal bemerken.

Du kannst sagen, sie sind unsere ganz spezielle persönliche Eingreiftruppe, unser Immunsystem.

Laura: Genial!

Ich: Du weißt ja, ich interessiere mich schon immer für die Vorgänge in meinem Körper und so ist es nur logisch, dass meine Antennen auf Empfang stehen, wenn mir neue (na ja, so neu sind die nun auch wieder nicht!) Informationen –wie die über unser Darmmikrobiom– über den Weg laufen.

Dass wir mit unserem „täglichen Brot“, sprich unserem Essen, einen wesentlichen Teil unseres Lebens und unserer Gesundheit beeinflussen können, ist für mich damit bewiesen und mehr als logisch.

Oder, was meinst Du?

Laura: Ja, klar, jetzt verstehe ich auch, was Du mit Blumenwiese und Mondlandschaft meinst.

Ich: In einer farbenfrohen Blumenwiese herrscht reges Treiben. Auf einem guten Boden wachsen kräftige Pflanzen. Diese dienen wiederum den tierischen Bewohnern und letztendlich uns Menschen.

Und so lebendig sollte es in unserem Darm auch aussehen, nicht wie in einer Mondlandschaft, öd und leer!

Laura: Super, jetzt hat das Wort „Mitbewohner“ für mich eine weitere Bedeutung und ich danke Dir für die Blumenwiese und die Mondlandschaft, werde ich doch ab sofort über diese Bilder auf wundersame Weise an meine Verantwortung für mein Leben erinnert.

Hast Du noch mehr solche Fragen/Erklärungen auf Lager?

Ich: Klar, lass Dich überraschen.

Laura: Dann bis zum nächsten Mal, ich freue mich darauf.

Sei gerne bei unseren Gesprächen dabei und abonniere meinen Blog.

8 Kommentare

  1. Sabine Schrägle

    Liebe Margaretha – ein wirlich gelungener, lustiger Beitrag mit viel Tiefgang und spannenden Informationen. Vielen Dank und liebe Grüße Sabine Schrägle

    Antworten
    • Margaretha Schedler

      Vielen Dank für Dein Feedback liebe Sabine, ich versuche immer beides miteinander zu verbinden.

  2. Michael

    Wie immer eine Inspiration.

    Antworten
    • Margaretha Schedler

      Wie schön, dass Du es so siehst. Ich danke Dir herzlich für Dein Feedback.

  3. Maria Neff

    Liebe Margret,
    du überraschst mich doch immer wieder! Zum einen mit deiner Schreibweise, die dich zu tollen Autorin macht, zum anderen mit deinen Gedankenassoziationen, die ja wissenschaftlich fundiert sind, und die du so schön verpackst!!! Liebe Grüße Marianne

    Antworten
    • Margaretha Schedler

      Ganz herzlichen Dank, liebe Marianne für Dein Feedback. Dich immer noch überraschen zu können freut mich ganz besonders.

  4. Monika

    Liebe Margaretha, das war mal wieder eine wundervolle und vergnügliche Lektüre. Und ich habe einiges dabei gelernt. Ich bin schon auf deinen nächsten Blog gespannt! Liebe Grüße

    Antworten
    • Margaretha Schedler

      Ich danke Dir ganz herzliche liebe Monika. Es freut mich, dass Du Neues von mir lernen konntest.

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