Zwei überschneidende Kreise von ICH und DU zum WIR als Sinnbild für Freundschaft

Gelebte Freundschaft ist Herzensnahrung

18. August 2022 | 8 Kommentare

Seit dem plötzlichen Tod unseres Sohnes 2020 Jahren hat sich die Sicht auf meine Gefühle und auf Freundschaften verändert.

Wahre ehrliche Freundschaften vertieften, oberflächliche verabschiedeten sich von alleine.

Das harsche und kategorische NEIN meiner besten Freundin – wir begleiten uns über 50 Jahre – auf meine Bitte, sie möge kommen und mir beistehen, hat eine große Narbe in meinem Herzen hinterlassen.

Sie hatte 2011 ihren Sohn verloren.

Ich verstand die Welt nicht mehr: Konnte, oder wollte sie sich nicht in meine Lage versetzen, mir helfen? So herrschte Funkstille bis zur Beerdigung.

Meine Freundin vor Ort jedoch ließ nach meinem Hilfeschrei alles liegen und stehen und war stundenlang an meiner Seite. Was für ein Segen!

Auch sie hatte ihren Sohn, damals als Kleinkind, über den Regenbogen begleitet.

Sind Freundschaften also wirklich Nahrung für das Herz?

Nach meinen  Erfahrungen ein eindeutiges JA

JA – für herzliche Umarmungen

JA – für unaufgeforderte Hilfen

JA – für einen mitfühlenden Anruf

JA – für tiefgründige Gespräche

JA – für tröstende schriftliche Worte

JA – für mit geweinte Tränen

JA – für geteiltes Schweigen

JA – für schöne gemeinsame Stunden bei Speis und Trank

JA – für all die guten Gedanken, die mich immer erreichten

Bei all diesen unterstützenden Zuwendungen zählt das eine NEIN nicht mehr.

Ausnahmesituationen entwickeln ihre eigene Dynamik und ein ehrliches NEIN hat damit seine Berechtigung, war es auch noch so schmerzhaft.

Große Lebensveränderungen schlagen immer auch neue Lebensseiten auf. Unbeschrieben, klar, voller Schmerz, aber auch Neugier und vor allem eine neue Form der Liebe.

Sie fordern Dich auf, ohne auf Erfahrungen zurückgreifen zu können, Dein Lebensbuch weiter zu schreiben. Offen zu sein für neue Perspektiven, neue Aufgaben und auch neue Freunde.

Das größte JA zu neuen Ufern beginnt jedoch mit dem JA zu Dir selbst. Mit dem unangefochtenen JA für Deinen neuen Lebensweg, ohne den geliebten Menschen.

In dieser Situation sind gelebte Freundschaften, neben professionellen Trauergesprächen und Büchern, ein großer Schatz und unverzichtbare Seelennahrung.

Sie stärken Dein Herz auf wundersame Weise, ohne Anleitung, allein durch Präsenz. Mit wohlwollenden Fragen und helfenden Angeboten.

Sie sind ein immerwährendes Ausgleichen der Lebenswaagschale, stets auch mit dem Blick auf das Wohl des Anderen.

So lautete meine Beileidsbekundung beim schnellen Tod des Mannes einer meiner liebsten Freundinnen: „Ich bin immer für Dich da.“

Auch wenn jede Trauer individuell – einzigartig ist, sie miteinander in Freundschaft zu leben sind Diamanten dieser besonderen Zeit und wahre Herzensnahrung.

Freundschaften haben viele Gesichter. Oft sind sie hinter Masken versteckt. Besondere, tiefe Lebenseinschnitte vermögen die Strukturen der Larven zu erkennen. Ein schmerzlicher aber heilsamer Prozess beginnt und die entstehenden Bilder erscheinen auf der ersten neuen Lebensseite.

Gerade diese einschneidenden Erfahrungen machen das Leben reicher. Formen Deinen Charakter und schulen Deine Weisheit.

So sind Freundschaften wahre Lehrmeister des Lebens und stets Nahrung für das Herz, auch wenn diese nicht immer süß ist!

Welche Erfahrungen hast Du mit Freundschaften in außergewöhnlichen Situationen gemacht?
Schreibe mir gerne einen Kommentar oder eine persönliche E-Mail.  

8 Kommentare

  1. Rowena Marin

    Liebe Margaretha,
    danke für deinen Beitrag, der mich zum Nachdenken angeregt hat. Ich schreibe in meinen Romanen viel über Freundschaft, Liebe und Verlust. Im wahren Leben erfahre ich das natürlich auch. Und eine Freundschaft endete beim Tod des Ehemannes. Über 30 Jahre lang haben wir Freundinnen unzählige tiefe Gespräche und Telefonate geführt, uns durch jede Krise begleitet, doch das ist offenbar nicht so viel wert wie meine mangelnde Anteilnahme. In mir selbst wurden Schleusen geöffnet, da ich einige mir sehr nahestehende Menschen bereits verloren hatte. Ich mochte die Trauer lieber mit mir selbst ausmachen. Zu viel Fremdenergie konnte ich nicht vertragen, weinen wollte ich lieber allein. Das hat mich offenbar von dem entfernt, was meine Freundin in ihrer Situation brauchte. Mein Anruf kam zu spät – sie meidet seit anderthalb Jahren meine Gegenwart. Ich lass ihr die Zeit, das zu verdauen. Denn ich finde, jeder hat das Recht, auf seine eigene Weise zu reagieren.
    Womöglich hat die alte Form unserer Freundschaft mit dem Tod ihres Mannes auch ausgedient; vielleicht wird sie eine andere Form finden. Denn für meine Freundin begann ein neuer Lebensabschnitt, frische Energien und Menschen sollten sie begleiten auf ihrem Weg! Zu dem ich derzeit nur in der Ferne gehöre. So kann ich das für mich jetzt stehenlassen.
    Also von Herzen Dank, liebe Margaretha, für deinen Denkanstoß! Alles Schöne und Gute für dich! Rowena

    Antworten
    • Margaretha Schedler

      Vielen Dank für Deine tiefen persönlichen Einblicke, liebe Rowena. Kein lebensveränderndes Ereignis, als der Tod eines nahen Angehörigen und die Trauer, wird in meiner Wahrnehmung so extrem individuell er- und gelebt. Dies in einer neuen Form der Liebe zu erkennen und anzunehmen, gerade in einer lange gelebten Freundschaft, sind nicht leicht zu erkennende Schätze des Lebens.

    • Sylvaine Scharapenko

      Das hat mich jetzt tief berührt. Meine Freundin war nach 40 Jahren gelebter Freundschaft in meiner schwersten Nacht auch nicht bereit mit mur du sprechen, für mich dazusein. So musste ich noch die Trauerarbeit um unsere Freundschaft meinem Schmerz hinzufügen.
      Es schmerzt noch ab und an.
      Ich weiss nicht, ob es diese bedingungslose Freundschaft gibt. Ich arbeite an meinen Freundschaften und doch habe ich vielleicht den einen oder anderen Hilferuf überhört? Ich habe in den letzten Jahren dafür gesorgt, das ich mich ganz klar ausdrücke. So kann ich eine gute Grundlage für Freundschaft schaffen.

    • Margaretha Schedler

      Liebe Sylvaine,
      vielen Dank für Deinen persönlichen Kommentar. Freundschaften und gerade langjährige sind etwas ganz besonderes und fordern uns immer wieder auf einer sehr tiefen Ebene heraus. In gegenseitiger Wertschätzung und mit Klarheit im Ansprechen auch schwieriger Situationen können Freundschaften immer wieder neu gelebt werden.

  2. Lydia Bach

    Liebe Margret,
    wie in jeder Beziehung verbinden sich Liebe und Leid auf manchmal unbegreiflichem Zusammenspiel und doch „tun“ sie es, was uns so angreifbar macht. Aber „ohne“ geht leider auch nicht…
    Warum also diese Erfahrung zwischen diesen beiden extremen Emotionen, die uns spüren lassen, dass DAS das Leben ist und niemand davor gefeilt ist.
    Danke für Deine Einsichtnahme in ein so sensibles Thema, das wir doch alle kennen und erleben dürfen und müssen mit dem Wunsch, uns am Ende wachsen zu lassen…
    Herzliche Grüße
    Lydia

    Antworten
    • Margaretha Schedler

      Liebe Lydia,
      ganz herzlichen Dank für Deine so wahren Worte. Jedes Leid das wir in Liebe transformieren macht uns zu ganz besonderen Menschen. So ist jeder auf seinem Weg der uns immer wieder überrascht. Freunde an seiner Seite zu wissen lässt ihn uns gestärkter gehen.

    • Margaretha Schedler

      Dankbarkeit mein schönster Lohn, liebe Stefanie.

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