Leben in Liebe und Dankbarkeit

Das Leben – ein immerwährendes Lernen

11. Februar 2022 | 4 Kommentare

 

Du lernst nie aus!

Jetzt beginnt erst das Lernen!

Lerne immer dazu!

Nach meinem Schulabschluss hörte ich öfter solche Sätze.

Sie waren bestimmt gut gemeint, anfangen konnte ich damals herzlich wenig damit. Im Übrigen wollte ich erst einmal vom Lernen, wie bisher, nichts mehr wissen. Vielleicht ist es Dir ja ähnlich gegangen.

Dass mit diesen Sätzen „Das Leben lernen“ gemeint war, lehrte mich das Leben schnell.

Lernen möchte ich in diesem Zusammenhang u.a. beschreiben mit

  • erkennen dürfen, was für mich gut und weniger gut ist,
  • sich ereignisbezogen ohne Bevormundung reflektieren, selbst und bewusst entscheiden dürfen.
  • Auch das Ausprobieren von Unbekanntem, als Herzensbildung ohne schriftlich Noten und Strafen, rechne ich dazu.

Der Tisch der Lebensschule war und ist reich gedeckt.

Warum schreibe ich das?

Vielleicht liest Du meinen Blog schon länger und weißt, dass ich in meinem Leben bereits viel lernen durfte. Es war nicht immer leicht, doch als „Stehaufmännchen oder -weibchen“, wie ich neulich in einer Unterhaltung bezeichnet wurde, bin ich schon ein wenig stolz auf meine Lebens-Lern-Bilanz.

Ich bin bisher mit Herausforderungen konstruktiv und sinnvoll umgegangen und versuche dies immer noch. Bieten sie mir doch immer auch Chancen und Möglichkeiten, Neuland zu betreten.

Dazu zählen für mich etwa, die Besonderheiten der Sozialen Medien zu erkunden, einen Tandemsprung zu wagen, ein neues Instrument oder eine mir bisher fremde Sprache zu lernen.

Ich habe die Wahl, diese Challenge anzunehmen oder abzulehnen. Ich kann mich bewusst dafür oder dagegen entscheiden.

Anders verhält es sich meines Erachtens mit Konfrontationen. Diesen fühle ich mich ausgeliefert. Ich muss mich damit auseinandersetzen, ob ich will oder nicht.

Sei es eine lebensverändernde Diagnose mit ungewisser Prognose, ein Unfall, eine prekäre, nicht selbst verursachte Situation (z.B. eine Wohnungs- oder Arbeitskündigung), die momentane Corona-Pandemie oder im Extremfall der Tod eines Familienmitgliedes.

Konfrontationen sind Herausforderungen der besonderen Art. Sie zu durchleben will gelernt sein. Davonlaufen ist für mich keine Lösung.

Dass ich mich am Ende meines sechsten Lebensjahrzehnts mit einem neuen Gesicht der Konfrontation auseinandersetzen muss, habe ich nicht zu träumen gewagt, hatte ich doch vor 1 ½ Jahren plötzlich und unerwartet meinen Sohn verloren. Die schwierigste Lebenslektion überhaupt!

Der verkappte Geburtstagsbrief

Länger hatte ich von meiner Freundin nichts mehr gehört und ich freute mich über ihre Handschrift auf dem Briefumschlag. Ein persönlicher Geburtstagsgruß ist heutzutage eher selten und daher etwas Besonderes.

Sie hatte viele schwere Krankheitsjahre an der Seite ihres Mannes hinter sich und ihn einige Monate vor dem Tod unseres Sohnes verloren.

Leider fiel bei unserem letzten Telefonat der folgenschwere Schlusssatz: “Mit dir bin ich fertig!“ Dann legte sie auf.

Dieses Verhalten verletzte mich so sehr, dass ich den Kontakt auf Eis legte.

Und jetzt dieser Brief!

Vordergründig eine Gratulation, im Endeffekt die Aufkündigung unserer 20-jährigen Freundschaft. Schön ausformuliert mit weiteren guten Wünschen.

Ich war geschockt und las die Zeilen (die mit dem PC geschrieben waren) ein zweites Mal. Jetzt fühlte ich in ihren freundlichen, jedoch geschickt abstrakt gewählten Worten eine unbeschreibliche Kälte, die mir durch Mark und Bein fuhr. Sie hatte nicht nur ihren Mann, sondern auch mich zu Grabe getragen.

So etwas hatte ich noch nie erlebt.

Konfrontation, wie gehe ich mir Dir um?

Das Kapitel „Reflektion“ hatte ich gut studiert und ich zog, nachdem ich mich etwas beruhigt hatte, sämtliche Register.

Ihren Worten zufolge hatte sich ihr Leben seit dem Tod ihres Mannes sehr verändert und bewusst oder unbewusst hatten wir uns wohl schon länger  auseinander gelebt.

War das der einzige Grund ihres Verhaltens?

Dass unser Sohn verstorben war, hatte ich ihr, aus Rücksicht auf ihre eigene Trauer, nicht mitgeteilt. Das hatte daher nichts mit mangelndem Vertrauen zu tun.

So suchte ich – verständlicherweise – nach weiteren mir bislang entgangenen Hinweisen und kam zu dem Ergebnis, dass unsere Freundschaft wohl schon seit langem nur noch eine Zweckverbindung war.

Die große räumliche Distanz von fast 1000 km zudem ein Hindernis für mehr persönliche Nähe.

Auch die Verquickung von beruflichen und persönlichen Berührungspunkten mag dazu beigetragen haben.

Dankbarkeit

Nach vielen Tagen des „Inmichgehens“ kann ich ihre Entscheidung annehmen. Ich blicke dankbar auf 20 gemeinsame nicht immer leichte Jahre zurück und lerne aus dieser Art Konfrontation:

Die Schule des Lebens lehrt uns immer wieder die Kunst des Akzeptierens und Loslassens in gegenseitiger Achtung und Liebe.

 Wie gehst Du mit Konfrontationen bzw. großen Herausforderungen um? Schreibe mir gerne einen Kommentar, wir können bestimmt voneinander lernen.

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4 Kommentare

  1. Ulrike Brabenec

    Liebe Margaretha,
    Deine Schilderung ist so sehr berührend und ich denke, dass ich mit Dir fühlen kann… es fühlt sich traurig und bestürzend an… was ich aber bewundere, ist Deine Art der Reflektion und dass Du trotz der sicherlich verletzenden Art Deiner ehemaligen Freundin schreibst, dass Du dankbar auf die gemeinsamen Jahre blicken kannst – davor habe ich wirklich großen Respekt und wünsche Dir, dass die Dankbarkeit größer ist (oder wird) als die negativen Gefühle. Deine offen erzählte Geschichte nehme ich mit mir in einen ganz neuen Lebensabschnitt! Ich danke Dir dafür!! Alles Liebe. Ulrike

    Antworten
    • Margaretha Schedler

      Liebe Ulrike,
      vielen herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Ich habe diesen Artikel für all jene geschrieben, die eine solche oder ähnliche Situation auch schon erlebt haben. Mir hat das Schreiben darüber sehr geholfen damit umzugehen. Einen Lebensabschnitt in Liebe und Dankbarkeit abzuschließen macht innerlich sehr frei und friedvoll. Ich freue mich sehr, dass ich Dir mit meiner Geschichte eine kleine Hilfe in Deinen neuen Lebensabschnitt sein darf.

  2. Annette

    Liebe Margaretha, dein Beitrag hst mich sehr berührt. Zum einen, weil ich nicht verstehen kann, wie überhaupt jemand so mit dir, warmherzig, empsthischen und rücksichtsvollen Mensch so umgehen kann. Zum anderen, weil es wieder ein Beispiel von der Schwierigkeit der offenen Kommunikation ist. Etwas was ich täglich erlebe.
    Ich werde noch ein bisschen über deine Geschichte nachdenken müssen. Danke dir für diesen Impuls. 🥰 Alles Liebe, Annette

    Antworten
    • Margaretha Schedler

      Liebe Annette,
      herzlichen Dank für Deine Gedanken. Liebevoll, offen und ehrlich zu kommunizieren will gelernt sein und es braucht sehr viel Einfühlungsvermögen in die Person und den richtigen Zeitpunkt. Ich denke, es ist nicht für alle Menschen gleichermaßen möglich. Dazu gibt es zu viele verschiedene Menschen. Dies so stehen zu lassen ist nicht immer leicht, doch, je älter man wird immer öfter möglich, so meine Erfahrung.

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