Was hat Schwimmen lernen mit Grenzen zu tun?

Herausforderungen lassen Dich wachsen!

Was hat Schwimmen lernen mit Grenzen zu tun?

Es ist Sonntagvormittag. Ich liege in meinem Bett und träume vor mich hin.

Aufstehen ist noch keine Option für mich. Es ist Sonntag und ich kann heute „ausbächelen!“

Das ist ein typisch Allgäuer Ausdruck und kommt vom Bort ausbacken. Denn nur gut ausgebackenes (ausgeschlafenes) Brot schmeckt und hat Kraft. Dies braucht eben seine Zeit.

Für mich ist das „Ausbächelen“ meine ganz spezielle „Sonntagszeit!“

Prinzipiell war dies allen Familienmitgliedern bekannt. Sie wussten, dass ich nicht geweckt werden darf, egal, wie lange ich (scheinbar) schlief.

Doch an diesem Sonntag im Juli 1959 hielt sich mein Vater nicht daran.

Ohne Anklopfen, was schon eine klare Grenzüberschreitung ist, stürmte er in mein Zimmer und forderte mich unmissverständlich zum Aufstehen auf.

Widerstand zwecklos!

Ich hatte vergessen, dass heute ein Ausflug an den nahe gelegenen See geplant war und ich auf mein Ritual zu verzichten hatte.

Oh mein Gott! Das konnte ja heiter werden.

Meine Mutter nannte mich wieder einmal „die ewige Langschläferin“ und ihre Miene sprach Bände.

Meine Bitte, ich möchte gerne zu Hause bleiben, da ich meine Hausaufgaben noch erledigen musste, wurde kategorisch in „Fortissimo“ abgelehnt.

Aus Erfahrung wusste ich, dass ein weiteres Diskutieren zwecklos war und so beugte ich mich.

Heute lernst Du das Schwimmen!

Wie bitte?
Meine Eltern kannten doch meine Angst vor tiefem Wasser. Allein der Gedanke, keinen Boden unter den Füßen zu haben, versetzte mich regelrecht in Panik und jetzt sollte ich mich ins Wasser legen!?

Doch auch in dieser Situation wurden meine Gefühle und meine Grenzen missachtet. Ein Kind hatte damals wohl keine zu haben!

Ich bekam einen Schwimmgürtel aus Kork umgelegt und los ging der Schwimmunterricht meines Vaters.

Stell Dich nicht so an, wir können alle schwimmen und einmal gelernt vergisst Du es auch nicht mehr.

Was sollte ich tun? Mittlerweile hatte sich eine Schar Kinder um uns versammelt. Die einen feuerten mich an, die anderen machten sich über mich lustig.

Na wartet!

Ich nahm all meinen Mut zusammen, rannte los, schloss die Augen und sprang vom Sprungbrett ins tiefe Wasser. Der Schwimmgürtel lies mich kaum untertauchen, ich war gerettet!

Mein Vater war sehr stolz auf mich und ich lernte an diesem Tag tatsächlich das Schwimmen.

Was war geschehen?

Ich hatte meine Angst und meine dadurch selbst errichtete imaginäre Grenze überwunden. Zugegeben, nicht ganz freiwillig und in punkto Feingefühl hatten meine Eltern erheblichen Nachholbedarf.

Nichtsdestotrotz, ich konnte einen Sieg verbuchen.

Wie oft haben wir Angst, sicheren Boden zu verlassen, um neues Terrain kennenzulernen? Zugegeben, meine erste Schwimmstunde war krass und nicht unbedingt nachahmenswert.

Ich lerne daraus: Wenn Widerstand sinnlos ist, vertraue Deinen Lieben und Dir, dann verwandeln sich Grenzen in Herausforderungen, denen Du getrost begegnen kannst.

Wann bist Du an Deinen Grenzen gewachsen, hast sie genutzt und bist gestärkt daraus hervorgegangen?

Schreibe mir gerne, ich liebe gelebte Geschichten.

Und wenn Du meine „Grenzgeschichte“ kommentieren möchtest, immer gerne.

Dieser Beitrag ist aus dem Impuls der Blogparade von Inge Schumacher zum Thema Grenzen entstanden.

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6 Kommentare

  1. Isa

    Hi Margaretha . Schöne Story! Auch ich habe mit 10 Jahren Schwimmen gelernt, allerdings nicht so spektakulär : ich hab am Badeplatz im tiefen Wasser eines gestauten Bächleins mit Schwimmreif geübt, aber nicht gemerkt dass der Stöpsel rausgeflutscht war. Erst als einer rief: die schwimmt mit einem Reif ohne Luft! Postwendend bin ich abgesoffen und nur mit Hilfe ins seichte Wasser gekommen! Dann hab ich mir bewusst gemacht , dass ich es anscheinend ja konnte! Also nochmals probiert und immer etwas mehr Luft aus dem Reifen gelassen . Nach einer halben Stunde hat’s geklappt! Oft ist es nur die Angst die blockiert😨😅
    Liebe Grüße ins schöne Allgäu aus deinem geliebten unterfranken

    Antworten
    • Margaretha Schedler

      Liebe Isa,
      ich danke Dir ganz herzlich für Deine „Schwimm-Herausforderung“! Du hast sie ja tapfer gelöst. Ja, die Angst hat es in sich!

  2. Inge Schumacher

    Liebe Margaretha,
    was für eine wunderbare Geschichte!!! Ich finde sie so klasse weil sie sowohl Deine Grenzüberwindung dokumentiert als auch grenzwertig ist. Das hätte auch schief gehen können mit dem Schwimmen lernen. Ist es aber nicht! Du hast großen Mut trotz der Überforderung gezeigt.

    Ich glaube es ist unsere Aufgabe als Eltern, den Kindern über ihre Grenzen zu helfen. Manchmal sind wir dabei nicht feinfühlig genug. Da nehme ich mich nicht aus.
    Herzliche Grüße aus dem Norden in den Süden!
    Inge

    Antworten
    • Margaretha Schedler

      Vielen Dank für Deinen Kommentar, liebe Inge. Das Thema Grenzen ist fast grenzenlos. Wie so Vieles ist auch dieses auf beiden Seiten der Medaille zu finden, mal schützend, mal fordernd.

    • Maria Neff

      Liebe Margret,
      auch ich habe so ein „Wassererlebnis“ das mir sehr viel abverlangt, mich aber auch wahnsinnig stolz gemacht hat:
      Ich war mit Horst im Urlaub in der Dom.Rep., dort hatten wir uns zu einem Tauchkurs angemeldet. Das Üben im Pool mit Flasche und Maske war schon eine Herausforderung in 2 m Tiefe ohne Boden unter den Füßen, aber dann das Praktische im Meer stand ja bevor. Ich hatte am Tag vorher so eine Angst, dass ich in der Nacht eine Panikattacke mit Herzrasen bekommen habe, was ich aber tapfer für mich alleine aushielt. Es war kein Auge zuzukriegen und die Angst wurde immer größer. Als wir dann auf dem Meer waren und in die Tauchanzüge samt Equipment geschlüpft sind, habe ich mir unendlich viel Zeit gelassen, war also wirklich die Letzte, weil mir der Arsch auf Grundeis ging. Dann sollten wir mit Rolle rückwärts übers Boot ins Wasser gleiten, was mir noch einigermaßen gelang. Zum Glück hat der Gide meine furchtbare Angst erkannt und mich an die Hand genommen. Was ich dann im Wasser erlebt habe, war so gigantisch: Zum einen die Unterwasserwelt, zum anderen das Gefühl, zu schweben (natürlich immer an der Hand des Gides), und dem unbändigen Stolz, es gewagt zu haben. Nach 1 Std. tauchten wir wieder auf mit dem Wissen, in ca. 10 m Tiefe gewesen zu sein. Als ich später an einem Haus vorbei ging, das ca. 10 m hoch war, und ich somit die Wassertiefe abschätzen konnte, war ich sooooooooo stolz, mich dies gewagt zu haben. In diesem Urlaub wurden es noch mehr Tauchgänge bis zu 30 m Tiefe. Ich habe mich schon öfters in meinem Leben an Dinge gewagt, die mir unendlich viel Angst bereitet haben, mir schlaflose Nächte wie auch Panikattacken beschert haben. Aber ich weiß, dass ich dem Löwen immer ins Auge sehen muss, wenn er seine Macht über mich verlieren soll. Und so habe ich vieles schon geschafft, was mich unheimlich stolz sein ließ.
      Danke für deine Geschichte, die mich wieder daran erinnert hat, dass ich doch schon oft über meine Grenzen gesprungen bin.
      LG Marianne

    • Margaretha Schedler

      Liebe Marianne,
      ich danke Dir vielmals für Deine „Grenzgeschichte“. Wie schön, dass Du Deine Tauchgänge gewagt hast, trotz Deiner großen Ängste. Und wie gut, dass Du einen guten Gide an Deiner Seite hattest. So kannst Du Dir immer wieder Deine schönen Unterwasserbilder ins Gedächtnis rufen.

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