Kraftort Illerursprung bei Oberstdorf im Allgäu

Kraftorte nähren Körper, Geist und Seele

19. Juli 2021 | 4 Kommentare

Hoppla, gerade noch rechtzeitig kann ich den Arm meiner Begleiterin fassen.

Beinahe wäre sie über einen großen Stein gestolpert.

Das ist gerade noch einmal gutgegangen. Die naturbelassenen Wege meiner Allgäuer Heimat erfordern neben guten Wanderschuhen auch eine gewisse Trittsicherheit.

Ich gehe mit Lara den Weg zum Illerursprung, meinem persönlichen Kraftort  

Sie war erst vor drei Monaten ins Nachbarhaus gezogen und bei unserer Kennenlern-Kaffeerunde fragte sie mich nach etwas Einmaligen in ihrer neuen Heimat. Aus vollem Herzen schlug ich ihr das Illerwunder, wie ich es gerne nenne, vor.

Doch zurück auf den Weg

Lara bedankt sich für meine Aufmerksamkeit und auf den Schreck schlage ich vor, an der nächsten Bank eine kleine Rast zu machen.

Sichtlich erleichtert nimmt sie meinen Vorschlag an.

Die Iller plätschert ruhig und gemütlich Richtung Norden, als ob sie „kein Wässerchen trüben“ könnte.

Als Gebirgsfluss zeigt sie sich jedoch, vor allem nach längeren Niederschlägen, wild und ungezähmt. Heute ist sie jedoch als Sanfte unterwegs!

Ich packe Brezen und Mineralwasser aus meinem Rucksack. Dabei beobachte ich, wie langsam wieder Farbe in das Gesicht von Lara, dieser zerbrechlich auf mich wirkenden jungen Frau, kommt. Sie hatte sich doch mehr erschreckt als ich vermutete.

Fast meditierend lassen wir es uns schmecken und genießen die reine Luft.

Im Freien schmeckt es immer besser als zu Hause bemerkt sie leise und ihr Blick geht hinüber zum anderen Ufer, wo eine Gruppe Fahrradfahrer heftig in die Pedale tritt.

Auf einmal raschelt es hinter uns und plötzlich hüpft ein dunkelbraunes Eichhörnchen direkt vor uns auf den Weg, bleibt kurz stehen, stellt seine Pinselohren auf Empfang, schaut uns fordernd an und huscht dann wieder Richtung Unterholz.

Das eben noch in Gedanken versunkene Gesicht meiner Begleiterin verändert sich blitzartig und ein Lächeln lässt ihre Augen leuchten.

Ich liebe Eichhörnchen, sagt sie. Als Kind haben mir die putzigen Tierchen sogar aus der Hand gefressen.

Ob sie mir mehr darüber erzählen möchte, frage ich und sie nickt.

Sie spricht von ihrer Kindheit in der Großfamilie mit weiteren sechs Personen und dass die Eltern selten Zeit für ihre Fragen und Nöte hatten.

Von den schönen Sommerferien im Kinderheim am Waldrand, auf die sie sich jedes Jahr freute.

Aber auch von den weniger schönen Jahren mit Krankheit und Verlust als junge Erwachsene.

Ich höre ihr aufmerksam zu, frage das eine oder andere Mal nach und mir kommt es so vor, als hätte sie bisher noch nie über ihr Leben und was sie bewegt gesprochen. Das berührt mich sehr und ich danke ihr für das Vertrauen.

Während einer längeren Gedankenpause nehmen wir fast gleichzeitig das Plätschern des Wassers wieder wahr und beschließen, weiter zu gehen.

Ich bemerke, dass sich ihre Stimmung verändert hat und ihre Schritte leichter sind. Sie beginnt sogar zu summen.

Was so ein putziges Tier doch alles bewirken kann, schießt es mir durch den Kopf.

Insgeheim hatte ich natürlich gehofft, dass wir eines zu Gesicht bekommen, denn dass die kleinen Kobolde hier außerordentlich zutraulich sind, war mir bekannt.

Sie fühlen sich im angrenzenden Mischwald besonders wohl und sind an die Spaziergänger gewöhnt.

Wasser unser Lebenselixier

Kurz darauf erreichen wir den Illerursprung und sie ist überwältigt vom Naturschauspiel der drei Quellbäche Breitach, Stillach und Trettach, die punktgenau aus drei verschiedenen Tälern kommend hier die Iller bilden.

Wir setzen uns auf einen großen Stein am Ufer, lassen die sauerstoffreiche Luft und das Farbenspiel des Wassers auf uns wirken. 

Ein paar Paddler versuchen die Strömung zu erreichen. Eine Familie testet mit den Zehen die Wassertemperatur, entschließt sich jedoch dann zum Steine-Weithüpf-Wettbewerb.

Die Gänsesäger lassen sich nicht von ihren Tauchgängen abhalten und am Himmel kreisen zwei Milane.

Ich erzähle Lara, dass dieser Ort seit Kindertagen mein ganz persönlicher Kraftplatz ist. Als zartes Mädchen überforderte mich die Schule sehr oft und meine Eltern hatten die Energie des wilden Wassers als meine energetische Tankstelle erkannt.

Als Erwachsene bin ich ihr treu geblieben. Hier kommen Körper, Geist und Seele, wie von Zauberhand, ganz schnell in Balance.

Am liebsten würde ich hierbleiben, sagt meine Begleiterin. Es ist traumhaft schön und auch meine Batterie ist aufgeladen, wie schon lange nicht mehr. Ich bin glücklich und zufrieden.

Wie schön, so soll es sein!

Lara lächelt und nimmt mich spontan und herzlich in die Arme.

Vielen Dank, jetzt bin ich mir ganz sicher, hier im Allgäu will ich leben.

Die letzten zehn Jahre habe ich auf dem flachen Land gewohnt, mich jedoch nie wirklich heimisch gefühlt. Nun bin ich angekommen. Was für ein schönes Gefühl!

Auf dem Rückweg schweigen wir und das Gehen wird zum stillen Gebet.

Ein wahres Geschenk

Heute ist Lara meine jugendliche Freundin. Das Allgäu ist ihre Heimat und unser Dialekt geht ihr schon gut über die Lippen.

Auch dazu war ich ihre Mentorin, doch das ist eine andere Geschichte.

Hast Du auch einen Kraftort?

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4 Kommentare

  1. Anne Baumgart

    Liebe Margaretha,
    wie du schreibst, das ist so eindrücklich und zart zugleich. Ich kann die Landschaft und euch zwei Frauen direkt vor meinem inneren Auge sehen.
    Ach ja, und was meinen Kraftort anbelangt: Ich wohne ganz in der Nähe der Würm, dem einzigen Abfluss des Starnberger Sees (der bis 1962 übrigens auch Würmsee hieß). Ich liebe diesen Fluss und die so vielfältige Uferlandschaft, die ihn säumt. Es gibt dort immer wieder ganz wunderbare Orte zu entdecken… Und erst vor Kurzem hab ich eine Lichtung entdeckt, nur 20 Minuten mit dem Rad von meiner Wohnung, umgeben von uralten, zauberhaften Weiden. Wusstest du das Weiden in der TCM dem Element „Erde“ zugeordnet sind? Seit ich diesen Ort kenne, begreife ich auch, warum das so ist.
    Alles Liebe an dich, Margaretha!

    Antworten
    • Margaretha Schedler

      Wie herrlich, liebe Anne, ja ich habe den Würmsee sogar als so benannten noch in Erinnerung. Und wie schön, dass Du zu Deinem Kraftort nicht weit hast. Die Weide als Element der Erde, jetzt habe ich wieder etwas gelernt. Die TCM ist so eindrücklich, wenn man bedenkt, dass die Weiden meist direkt am Wasser zu finden sind, sind sie als Erdelement wohl als ausgleichend zu sehen. Vielen Dank für Deine Eindrücke.

  2. Inge Schumacher

    Liebe Margaretha,
    wieder einmal hast Du mich mitgenommen…in Deine Welt. Ich konnte das Wasser hören und riechen…Toll. Du hast ein Erzähltalent mitbekommen.

    Wir haben ein „eigenes“ Eichhörnchen, das in jedem Frühjahr für jede Menge Haselnussschößlinge sorgt. Für mich symbolisiert es Leichtigkeit und Spaß.

    Meine Kraftorte haben auch mit Wasser zu tun. Die Elbe, wenn wenig Zeit ist, die Ostsee oder Island.
    Herzliche Grüße Inge

    Antworten
    • Margaretha Schedler

      Es freut mich, liebe Inge, dass ich Dich zu meinem Kraftort mitnehmen konnte und vielen Dank fürs Kompliment. Wie schön, dass wir dasselbe Element als Energiespender haben. Und wie toll ist das denn, ein eigenes Eichhörnchen!

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